kreativagentur perlenmädchen

Dienstag, 15. September 2015

Klartext – So schreibt ihr richtig!

Mehr als Worte

Flyer, Webseiten, Broschüren, Emails – Der Kontakt mit euren Kunden läuft größtenteils über das geschriebene Wort. Durch Text vermittelt ihr euer Angebot, eure Kompetenz, eure Werte und Arbeitsweisen. Er ist also ein entscheidendes Kommunikationsmittel. Mit der Art und Wiese, wie ihr kommuniziert, beeinflusst ihr euer Image. Die Menschen spiegeln das, was ihnen entgegengebracht wird.
Ist eure Unternehmenssprache eher konservativ und distanziert, werden eure Kunden euch genauso reserviert entgegen treten.

Ein Text hat immer 2 Ebenen. Die erste ist die Inhaltsebene, also der reine Informationsgehalt. Die zweite Ebene ist da schon spannender. Sie vermittelt Emotionen und Gefühle. Also alles was sprichwörtlich zwischen den Zeilen mitklingt. Viele Menschen vernachlässigen die zweite Ebene. Oft ist ihnen auch gar nicht bewusst, welchen Eindruck ihre Texte auf den Leser haben.

Von Mensch zu Mensch

Ihr seid ein Unternehmen und keine Behörde. Sprecht also freundlich und offen mit euren Kunden! Formuliert nicht zu förmlich und steif. Verwendet keine standardisierten Formulierungen und Floskeln. Sonst klingt eure Mail schnell nach einem maschinell erstellten Schreiben.

Aber sogar automatisch generierte Mails können Spaß machen! Hier mal ein zauberhaftes Beispiel einer Druckerei:

Hallo Gitte!
Hier ist Little MOO - der freundliche Druckroboter, der sich um Ihre Bestellung kümmert. Danke nochmal, es war toll, zu sehen, wie Ihre Designs entstanden sind. Ich kann Ihnen verraten, dass Big MOO Ihre Bestellung gedruckt hat und sie bald abgeschickt wird. Yay!

Euer Kunde sollte immer spüren, dass er nicht wie Massenware abgefertigt wird und mit einem echten Menschen spricht. Sprecht deshalb jeden Empfänger individuell an. Geht auf kleine Details ein, die der Interessent mit euch teilt. Ein paar nette Worte über das Wetter oder den Wohnort des Kunden kosten euch nicht viel Zeit, werden dem Empfänger aber ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Wisst ihr was dadurch außerdem passiert? Ihr werdet auch Lächeln! Denn Kommunikation macht Spaß. Eure Kunden werden die Freundlichkeit, die ihr ihnen entgegenbringt erwidern.

Beispiel gefällig? Diese Mail haben wir vor ein paar Wochen erhalten:

Hallo die Damen!
Ich, Gymnasium-Wittstock-Absolvent von 1999 und derzeit in Potsdam lebend und arbeitend, mag eure Arbeit sehr.
Ich bin derzeit angestellt in Berlin, habe aber Ambitionen auf Selbständigkeit. Vielleicht passt es ja mal und ich kann mich bei euch vorstellen zwecks Konzepterarbeitung einer Internetpräsenz ...

Liebe Grüße,

Unsere Antwort:

Hallo XXX!
Vielen Dank für deine Mail und deine lieben Worte. Eine alte Wittstockerin und Gymi-Absolventin - das ist ja nett! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Selbstständigkeit! Gerade zu Beginn ziemlich aufregend, aber wir versprechen dir, es lohnt sich :)
Wir können sehr gern einen Termin vereinbaren, um uns kennenzulernen und über dein Projekt zu sprechen.
Ich freue mich auf deine Rückmeldung und schicke viele Grüße ins wunderschöne Potsdam,

Ihr merkt, einen freundlichen Text zu schreiben, ist gar nicht so schwer. Verlasst einfach die alten Wege, verzichtet auf 08/15 Formulierungen und öffnet euch für die Menschen um euch herum. So zaubert ihr euch automatisch sehr viel mehr Spaß in euren Arbeitsalltag!

Der Werbetext

Postkarte für das Bier "Schlossgeflüster" aus Rheinsberg
Der direkte Kundenkontakt ist eine Sache, schreiben für Werbemittel nochmal eine ganz andere.

Wie oft hören wir den Satz: „Ach, texten können wir selbst. Wir brauchen nur die Grafik.“ Dabei müssen Grafik und Text eine Einheit bilden. Hand in Hand gehen. Zumindest wenn man ein Werbemittel haben möchte, das funktioniert.

Lange Schachtelsätze, komplizierte Formulierungen im Nominalstil und der unmotivierte Konjunktiv zerstören die Wirkung der schönsten Grafik.

Die bunten Farben und Formen ziehen erstmal das Auge des Betrachters an. Ist die Aufmerksamkeit eingefangen muss jedoch der Text übernehmen. Denn nur punktgenau gesetzte Worte und Formulierungen können Botschaften übermitteln, zu Handlungen aufrufen und Pointen zünden lassen.

Klare Gedanken = verständliche Texte

Bevor ihr anfangt einen Text zu schreiben, solltet ihr euch Gedanken über folgende Dinge machen

  •  Inhalte

-        Was will ich mit meinem Text sagen?
-        Welches Ziel/welche Handlung möchte ich beim Leser erreichen?

Kreativität scheitert oft an Planlosigkeit. Klingt widersprüchlich, ist aber so. Erst wenn ich ein Ziel habe, kann ich beginnen zu Schreiben. Ohne Ziel ersticken die eigenen Worte in der Unendlichkeit der Möglichkeiten. Macht euch also klar, was ihr sagen wollt und was euer Text erreichen soll. Erarbeitet euch zum Bespiel mit Stichworten und kurzen Textpassagen eine erste grobe Struktur.

  • Zielgruppe

-        Wer ist der Empfänger meines Textes?
-        Welchen Wissensstand hat der Empfänger über mein Thema?

Macht euch von Beginn an klar, wer der Empfänger eures Textes sein soll. Versetzt euch in diese Menschen hinein. Wichtigstes Ziel: Der Leser muss verstehen, was ihr von ihm wollt! Kommuniziert immer auf Augenhöhe.
Schreibt ihr an Laien, solltet ihr Fachchinesisch tunlichst vermeiden. Schreibt ihr an Experten können ein paar Fachwörter hier und da nicht schaden. So vermittelt ihr dem Leser gleich eure Kompetenz.

  • Tonalität

-        Wie möchte ich meine Zielgruppe ansprechen?
-        Welche Wirkung soll mein Text haben?

Eine wichtige Grundlage für einen gelungenen Text ist es, die Positionierung des eigenen Unternehmens zu kennen. Die Tonalität eurer Formulierungen sollte zu euch passen. Versucht nicht zu sein, wer ihr nicht seid. Verstellt euch nicht. Seid authentisch. Dann seid ihr auch glaubwürdig.

Wie wollt ihr eure Empfänger also ansprechen? Freundlich oder streng? Humorvoll oder ernsthaft? Wollt ihr neutral sein oder Stellung beziehen?

Eure Zielgruppe ist es oft gewohnt, auf eine bestimmte Art angesprochen zu werden. Gebt ihr eurem Text aber eine andere Tonalität, könnt ihr diese Menschen viel eher überraschen. Wollt ihr zum Beispiel Beamte erreichen, konfrontiert diese Menschen einfach mal mit Humor. Damit rechnen sie garantiert nicht ;) Allein deshalb werdet ihr mit eurem Werbemittel auffallen.

Euch sollte auch klar sein, für welches Medium ihr schreibt. Der Text muss in Umfang und Anmutung zum Werbemittel passen. Zum Beispiel hat ein Fließtext auf einem Plakat oder in einer Anzeige nichts zu suchen.

Flyer für die Fahrschule Reypa aus Wittstock
Bilder im Kopf

Werbetexte lesen muss Spaß machen! Lasst mit euren Worten Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Nutzt dazu Wortspiele und Metaphern. Lasst euren Empfänger kleine Rätsel lösen und Pointen entdecken. Benutzt Analogien, um euer Thema in einen überraschenden Kontext zu setzen.






Hier ein paar wichtige Grundregeln:
  • Schreibt kurze Sätze - immer eine Aussage nach der anderen
  • Benutzt Verben und Adjektive
  • Verzichtet auf Substantivierungen
  • Lasst Füllwörter und Floskeln weg
  • Formuliert aktiv und motivierend - nutzt Aufforderungen
  • Verzichtet auf passiv-Formulierungen und den Konjunktiv


Eine Anzeige für einen Friseur in der Abitur-Beilage der Tageszeitung:



Text für eine Weihnachtskarte des Reisebüro Globus aus Neuruppin:

Sie träumen nicht von weißen Weihnachten, sondern weißen Sandstränden?
Statt Glockenklingen hören Sie Wellenrauschen?
 
Ganz klar: Sie haben Fernweh! Erfüllen Sie sich ihre Urlaubswünsche und buchen Sie bereits jetzt für 2015. Oder beschenken Sie sich und ihre Lieben mit einem Reisegutschein! Wir beraten Sie gern.
Das Reisebüro Globus wünscht Ihnen frohe Weihnachten und ein urlaubsreiches Jahr 2015!

P.S.: Der Weihnachtsmann ist übrigens gerade Surfen. Und zwar auf unserer neuen Website!
Urlaubs-Schnäppchen, Inspirationen und Reiseberichte: www.reisebuero-globus.de
Schneien Sie doch mal vorbei! Wir sind gespannt auf ihre Meinung!


Sport-Sponsoring Anzeige für die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin:

Sport-Sponsoring Anzeige für die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin


Der Webtext

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf Texten für das Internet eingehen. Webtexte schreibt ihr in erster Linie natürlich für den User. Aber auch die „Denkweise“ einer Suchmaschine müsst ihr in euren Formulierungen beachten. (Wer sich zur Thematik Suchmaschinenoptimierung Belesen möchte, kann das hier in unserem Blogartikel tun.)

Verwendet also bewusst vorab definierte Keywords in euren Formulierungen. Je weiter oben ein Schlüsselwort auf eurer Website steht, desto mehr Bedeutung misst Google diesem bei. Baut eure Texte inhaltlich also nach der Priorität eures Angebots auf.

User lesen nicht gern. Das kennt ihr von euch selbst, wenn ihr im Internet unterwegs seid. Der Besucher einer Website scannt die Seite viel eher nach bestimmten Begriffen ab. Schließlich wollen wir so schnell wie möglich zur gesuchten Information vordringen.
Lange Fließtexte sind für das Web also eher kontraproduktiv. Arbeitet stattdessen mit Absätzen, Markierungen und Aufzählungen, um eure Informationen übersichtlich und schnell verständlich zu übermitteln. Textet kurz, knapp und auf den Punkt.
Komplexere Themen solltet ihr zusätzlich mit Hilfe von Grafiken und Icons verständlich machen.

Hier findet ihr einige Beispiel-Seiten: 


Abschreiben erlaubt!

Ihr seht also, Text ist nicht gleich Text. Mit ein paar Worten könnt ihr unglaublich viel vermitteln. Neben den nackten Informationen, nämlich auch noch eine ganze Menge Subtext.

Beachtet unsere einfachen Hinweise für das Schreiben. So werdet ihr ganz schnell die alten, eingefahrenen Wege verlassen. Schreibt einfach so wie ihr sprecht. In einer Unterhaltung würdet ihr niemals einen Satz verwenden, der über vier Zeilen geht und den man erst nach dreimaligem Lesen versteht. Sprecht euch die Texte nach dem Schreiben laut vor. So hört ihr am ehesten, an welchen Stellen es noch hakelt.

Und das Wichtigste: Sprecht eure Kunden so an, wie ihr selbst angesprochen werden möchtet. So schreibt ihr euch und euren Lesern ein Lächeln ins Gesicht!



Donnerstag, 13. August 2015

Geboren um zu Sterben – Ein Werbekrimi (II)

Fortsetzung...

Das zwitschernde Vögelchen

„Nadine! Komm mal her. Hier gibt es jemandem, mit dem du dich unterhalten solltest“, rief Gitte mich über den Flur zu sich. Nach ein paar Schritten betrat ich ein schlichtes Büro. Meine Partnerin und eine junge Frau warteten dort auf mich.

„Ich habe mich bereits mit den Angestellten unterhalten. Die meisten konnten wenig bis nichts zu der Sache sagen. Das Gespräch mit Frau Christina Klein, der neuen Praktikantin von Pelotec, war da schon durchaus interessanter“, informierte Gitte mich.
Daraufhin trat sie näher an die junge Frau heran und ging vor ihr in die Hocke. „Erzähl meiner Partnerin einfach genau das, was du mir auch erzählt hast“, ermutigte Gitte die Praktikantin und lächelte ihr aufmunternd zu.

„Also.. ich arbeite erst seit 2 Wochen hier. Ich hatte Angst meinen Job zu verlieren“, stotterte sie nervös.
„Ganz ruhig Christina“, sagte ich. „Wieso hattest du Angst deinen Job zu verlieren?“
„Naja, ich hab letzte Woche etwas in Mr. Andersons Büro entdeckt. Er wies mich an, einige Unterlagen für ihn zu archivieren. Deshalb musste ich an den großen Rollcontainer. Und da, ganz hinten in der Ecke…“, die Stimme der Praktikantin wurde brüchig. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie schlug ihre Hände vors Gesicht.
Gitte strich der jungen Frau langsam über den Rücken, bis sich das Schluchzen legte. „Ist schon ok Christina, wir wissen wie furchtbar so eine Erfahrung sein kann. Was hast du dann getan?“, fragte Gitte sie leise.

„Erst mal gar nichts. Ich war total geschockt und traute mich nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden. Ich bin erst neu hier und würde bestimmt sofort gefeuert werden!
Aber nach ein paar Tagen wusste ich einfach, dass ich nicht damit leben könnte, die Sache nicht zu melden. Also habe ich mir das Handy eines Kollegen ausgeliehen, die Rufnummer-Übertragung deaktiviert und bei der Polizei angerufen.“
Verschämt senkte die junge Frau die Augen und starrte auf den grauen Teppichboden zwischen ihren Füßen.
„Sie brauchen sich keine Vorwürfe zu machen, Christina. Es war richtig von ihnen, den Fund zu melden“, beruhigte Gitte die immer noch sichtlich verunsicherte Angestellte.


 Auge in Auge

„Das erklärt so einiges“, sagte ich zu meiner Partnerin. Wir verließen das kleine Büro und machten uns auf den Weg zum Besprechungsraum, in dem Anderson auf uns wartete.
Ein Officer saß auf einem Stuhl vor der riesigen Glastür und laß Zeitung. Ich räusperte mich und wartete darauf, von dem Polizisten bemerkt zu werden. „Ja?“, fragte der betagte Kollege barsch.
„Wir wollen mit Anderson sprechen. Jetzt.“, ich deutete auf den Mann im maßgeschneiderten grauen Anzug auf der anderen Seite der Tür.

„Das kann ja sein, aber ich hab die Order niemanden zu diesem Typen zu lassen.“
Ich hielt ihm ohne ein weiteres Wort meine Marke vors Gesicht. „Oh..“, stieß er erschrocken aus, stand sofort auf und öffnete uns die Tür.
Wir betraten den hellen Konferenzraum. Die Fensterfront bot eine ganz ansehnliche Sicht über die Stadt. Dass Anderson nervös war, sah ich auf einen Blick. Der Mann schwitzte und rutschte unruhig auf dem dicken Polsterstuhl herum.

„Guten Tag Herr Anderson. Mein Name ist Special Agent Nadine Jürgen. Das ist meine Partnerin Special Agent Gitte Michel. Wir sind von der Abteilung Gewaltverbrechen gegenüber Werbemitteln“, sagte ich meine üblichen Einführungsworte auf.
„Ge..Ge..Gewaltverbrechen? Aber, aber… ich habe doch nichts getan! Was wollen Sie überhaupt von mir?“, stotterte der Angestellte mit bleichem Gesicht.
„In ihrem Büro wurde eine Werbeleiche gefunden, Herr Anderson. Mich würde interessieren, ob Sie uns das erklären können“, erwiderte ich völlig emotionslos.

„Sie meinen die uralte Imagebroschüre? Wie haben Sie denn davon erfahren?“
„Das tut nichts zur Sache, Herr Anderson.“ Langsam verlor ich die Geduld. „Wenn Sie uns nicht sofort sagen, was wir wissen wollen, können wir Sie auch gern mit in einen unserer Verhörräume nehmen. Und ich garantiere Ihnen, der hat nicht so eine schöne Aussicht.“
„Ok, ok..“ Anderson schlug die Augen nieder und starrte auf die Tischkante. Langsam und stockend begann er schließlich zu reden. „Ich wollte den Chef beeindrucken. So einfach ist das. Deshalb habe ich diese Imagebroschüre in Auftrag gegeben.“
Ich sagte nichts. In einer Verhörsituation ist die Stille oft das wirksamste Mittel, um Menschen zum Reden zu bringen.
Anderson machte zwar immer wieder längere Pausen zwischen den Sätzen, aber schließlich erzählte er uns alles.

„Unsere Kunden waren mir völlig egal. Mir war nur wichtig, dass die Pelotec GmbH im besten Licht dasteht“, flüsterte Anderson und begann leise zu schluchzen. 
„Sie geben also zu, dass Sie bei der Entwicklung der Broschüre nicht an den Nutzen für ihre Kunden gedacht haben?“, fragte ich den zusammengekrümmten Mann auf der anderen Seite des Tisches.
„Ja.“
 „Wegen ihrem Egoismus wurde viel Geld zum Fenster herausgeworfen. Statt ihrem Unternehmen zu helfen, haben Sie genau das Gegenteil erreicht. Sie haben der Pelotec GmbH geschadet.
Nur gut, dass die Broschüre so gut wie niemand zu sehen bekommen hat. Übersteigertes Eigenlob kann dem Image eines Unternehmens erheblich schaden. Glück im Unglück, Anderson.
Hatten Sie überhaupt einen Plan, wie das Heft zu ihren Kunden gelangen sollte?“

„Darüber hatte ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht“, gestand Anderson kleinlaut.
Ich sah zu Gitte hinüber. „Andre Anderson, wir verhaften Sie wegen vorsätzlichem Mord an einer Broschüre und fahrlässiger Imageschädigung gegenüber der Pelotec GmbH. Sie haben das Recht zu Schweigen. Alles, was Sie ab jetzt sagen, kann gegen sie verwendet werden“, mit diesen Worten legte meine Partnerin dem Angestellten die Handschellen an.

Epilog

„Ich bin froh, dass wir den Fall so schnell aufklären konnten“, sagte ich zu Gitte als wir einige Stunden später wieder bei Barneys saßen.
„Ich auch. Die Beweise waren einfach zu erdrückend. Anderson blieb gar keine andere Wahl, als zu gestehen.
Ich hab vorhin erfahren, dass der Praktikantin, Christina Klein, ein fester Job bei Pelotec angeboten worden ist. Der Chef war wohl ziemlich beeindruckt von ihrer Courage.“

„Ehrlich? Oh das freut mich aber. Wie hast du denn davon erfahren?“
„Ach, Officer Johansen, der Hundeführer, hat mir vorhin eine Nachricht geschickt“, erklärte Gitte ziemlich beiläufig.

Ich sah sie mit großen Augen an. „Sag mal, was genau läuft da eigentlich zwischen dir und diesem Typen?“
Mit einem Lächeln auf den Lippen begann sie zu erzählen.


ENDE

Dienstag, 11. August 2015

Geboren um zu Sterben - Ein Werbekrimi (I)

Frühstück mit Unterbrechung

Der Tag fing ruhig an. Zu ruhig. Das war nie ein gutes Zeichen.
Wie üblich saß ich mit meiner Partnerin Special Agent Gitte Michel bei Barneys und trank einen großen Milchkaffee. Wir mochten den Laden. Die Sitzbänke waren bequem, der Kaffee schmeckte großartig und die Leute wollen unter sich bleiben.

Mit Gitte arbeite ich bereits seit 7 Jahren zusammen. Nach so langer Zeit kennt man die Stärken und Schwächen des anderen ganz genau. Wir sind ein gutes Team. Perfekt aufeinander abgestimmt. Eine Tatsache, die uns schon das ein oder andere Mal den Arsch gerettet hat. Wir arbeiten in der Abteilung für Gewaltverbrechen gegen Werbemittel.

Kein Job für schwache Nerven. Wir haben schon sehr viel kranken Scheiß gesehen. Aber nach einiger Zeit stumpft man ab. Das muss man auch, wenn man den Job dauerhaft machen will.
Gerade als ich mir den letzten Bissen meiner Waffel in den Mund schob, klingelte mein Telefon. „Perfektes Timing“, dachte ich bei mir und würgte den Teigklumpen runter. „Was gibt’s?“
Meine Stimme klang gereizt. Der Morgen war noch nie meine liebste Tageszeit.

Schweigend hörte ich dem Monolog des Officers am anderen Ende der Leitung zu.
„Scheiße“, dachte ich bei mir und warf Gitte einen stummen Blick über den Tisch zu. Es war nicht nötig etwas zu sagen. Sie wusste was los war. Wir hatten einen neuen Fall.
„Wir sind auf dem Weg“, brummte ich anstelle einer Verabschiedung und ließ das Telefon wieder in meine Tasche gleiten.
„Ich fahre“, sagte Gitte, schob sich ihre Ray Ban auf die Nase und war schon auf dem Weg nach draußen, als ich den letzten Schluck meines Milchkaffees hinunterschüttete.

 Des Pudels Kern

Im Auto nannte ich meiner Partnerin die Adresse. Der Verkehr zog sich wie ein zäher Kaugummi durch die Stadt. Gitte sprang geschickt in alle sich ergebenden Lücken und so erreichten wir zu meiner Überraschung bereits nach 20 Minuten unser Ziel. Die Pelotec GmbH.
Das Bürogebäude sah aus wie jedes andere. Glas und Stahl fügten sich zu einem wenig attraktiven Würfel zusammen. Wir betraten die Lobby durch eine riesige, rotierende Glastür und zückten unsere Ausweise.

„Special Agent Jürgen und Special Agent Michel. Wir werden erwartet“, sagte ich zu dem Beamten, der dazu abgestellt wurde, nur Befugte in die Nähe der Tatortes zu lassen.
„Geradeaus geht’s zu den Aufzügen, die Kollegen warten im 3. Stock auf Sie“ entgegnete der junge Mann nach einem kurzen Blick auf unsere Marken. Wir nickten ihm zu und gingen zügig auf die Aufzugtüren zu.

In der dritten Etage herrschte reges Gewimmel. „Ach, da sind die Damen ja endlich!“, empfing uns Inspector Schubert freundlich. Bei der Begrüßung verschwand meine Hand in seiner riesigen Pranke. „Haben Sie uns rufen lassen, Sir?“, fragte Gitte.
„Ja, ja, das war ich. Keine schöne Sache da drin. Ich dachte, ich könnte eure Hilfe gebrauchen“, murmelte der Inspector, während er sich mit den Fingern seinen Schnurbart entlangfuhr.
So angespannt hatte ich den Mann selten erlebt.

„Wer hat die Leiche gefunden?“, frage ich Schubert und blickte den langen Flur hinunter.
„Wir haben einen anonymen Tipp bekommen. Eine junge Frau. Wirkte ziemlich nervös am Telefon. Sie sagte wir sollten mal das Büro von Andre Anderson überprüfen.“
„Wer ist Anderson?“ Gitte hielt sich nicht lange mit Geplänkel auf, sondern kam immer direkt auf den Punkt.
„Ein leitender Angestellter hier bei Pelotec.“, antwortete der Inspector.
„Und wo ist der Typ jetzt?“
Der Inspector drehte sich um und zeigte den Gang hinunter: „Wir haben ihn in ein Besprechungszimmer gebracht. Dort wartet er darauf von euch verhört zu werden. Ein Beamter steht vor der Tür und passt auf, dass Anderson nicht versucht zu türmen.“
„Mmh... Konntet ihr herausfinden woher der Anruf kam?“, fragte ich und hatte bereits eine vage Ahnung.
Schubert nickte eifrig: „Unsere Techniker konnten den Anruf zu diesem Gebäude zurückverfolgen. Merkwürdiger Zufall, oder? Ihr solltet euch gleich mal etwas genauer mit den Angestellten unterhalten.“
„Würde mich nicht wundern, wenn wir eine nervöse junge Frau darunter finden“, entgegnete ich grinsend.

Der Inspector setzte seinen Bericht fort. „Nachdem der Tipp bei uns eingegangen ist, schickten wir gleich mal einen Schnüffler her. Officer Johansen mit seinem Hund Bronko-“
„Boris“, bemerkte Gitte sofort.
„Ähm, ja oder so.“ Der Inspector lächelte etwas verunsichert. „Jedenfalls unser Leichenspürhund Boris..“ –Schubert betonte den Namen des Tieres mit einem gütigen Blick auf Gitte – „..hat in Andersons Büro sofort angeschlagen. Direkt vor einem großen Rollcontainer.“

„Der Kleine ist einer der besten Spürhunde die ich kenne. Wenn nicht sogar der Beste“, sagte Gitte fast zu sich selbst. Meine Partnerin ist ein totaler Hundefreak. Für mich war es also keine Überraschung, dass sie so viel Wert auf den richtigen Namen des Tieres legte. Außerdem vermutete ich schon seit einer Weile, dass sie eine kleine Affäre mit Officer Johansen hat.

Wir verabschiedeten uns kurz vom Inspector und liefen in Richtung Zimmer 307, Andersons Büro. Der dicke, weiche Teppich dämpfte unsere raschen Schritte. 
„Was tun die hier eigentlich?“
„Ich glaube Pelotec macht irgendwas mit IT-Einrichtung und Datenverwaltung“, antwortete ich meiner Partnerin.
„Dann sollten wir also vom Schlimmsten ausgehen“, entgegnete Gitte mit einem tiefen Seufzer.
„Wenn du Glück hast, sind zumindest Johansen und sein Vierbeiner noch vor Ort“, sagte ich mit einem Zwinkern zu Gitte. Ich bemerkte ihr Grinsen, auch wenn sie es vor mir zu verbergen versuchte.

Kopfüber ins Vergnügen

Da standen wir nun. Im Büro von Andre Anderson. Um uns wuselten die Leute von der Spurensicherung. Der Gerichtsmediziner Dr. Daniel Broistedt war auch bereits da und steckte bis zum Hals in einem Rollcontainer, der in der hintersten Ecke von Andersons Büro stand.

„Ich guck mich erst mal um, rede du doch schon mal mit dem Doc“, sagte Gitte zu mir und wandte sich ab. Ich folgte ihr mit dem Blick und entdeckte Johansen. Gitte ging in die Hocke, begrüßte zuerst den Hund und zauberte ein Leckerli aus der Anzugtasche. Erst dann stand sie auf, um Johansen die Hand zu geben. Ich lächelte in mich hinein und trat näher an den Container.

„Hi Doc!“ Ich erhob meine Stimme, sodass der Mediziner mich bemerkte. Mit einem Ruck riss Broistedt den Kopf hoch und knallte an die obere Schrankwand. Fluchend rappelte er sich auf und rieb sich mit der Hand den Hinterkopf.
„Hallo Special Agent! Ich habe Sie gar nicht kommen hören.“ Lächelnd schüttelte ich dem Doc den Ellenbogen. Den latexbedeckten Händen wollte ich besser nicht zu nahe kommen. „Na was haben Sie da Schönes im Schrank entdeckt?“

„Die Leiche ist in keinem guten Zustand. Wenn ich mir die Staubentwicklung und die Beschaffenheit des Papiers ansehe, schätze ich, sie liegt hier schon seit über 7 Jahren.“
Ich verzog angewidert das Gesicht. Wie kann jemand nur jeden Tag zur Arbeit kommen und in aller Ruhe an diesem Schreibtisch sitzen, wenn er ganz genau weiß, dass hinter ihm eine Leiche vor sich hin fault? Eine Frage, auf die ich während der vielen Jahre in meinem Job immer noch keine Antwort gefunden habe.
„Ich war gerade dabei sie aus dem Schrank zu holen. Sie können gern hierbleiben und zusehen. Vielleicht kann ich Ihnen dann gleich mehr sagen.“
Mit diesen Worten war der Gerichtsmediziner auch schon wieder im Rollcontainer verschwunden. Als er wieder zum Vorschein kam, hielt Broistedt eine vergilbte Imagebroschüre der Pelotec GmbH in der Hand.
Er drehte das Heft langsam in den Händen und stockte plötzlich mitten in der Bewegung. „Da! Sehen Sie das?“

Ich trat näher und schaute Broistedt über die Schulter. Unten rechts auf dem Umschlag stand Januar 2008. „Da haben Sie mit ihrer Schätzung ja mal wieder genau richtig gelegen“, murmelte ich ihm zu, während ich die Broschüre genauer in Augenschein nahm.
„Können Sie mir schon etwas zur Todesursache sagen?“
„Das ist ohne genaue Untersuchung schwer festzumachen, aber die Indizien weisen auf Tod durch Belanglosigkeit hin. Mehr kann ich Ihnen in ein paar Stunden sagen. Ich lasse die Überreste sofort in mein Büro bringen und beginne dann unverzüglich mit der Untersuchung.“

„Danke Doc, das weiß ich sehr zu schätzen“, verabschiedete ich mich von Broistedt und sah mich nach Gitte um.

Weiter geht's am Donnerstag, den 13.08.2015 mit dem II. Teil unseres Werbekrimis! Nicht verpassen :)

Montag, 13. Juli 2015

Perlenpraktikum 



Hallo,
ich bin Pia, die neue Praktikantenperle und darf diese Woche eine Art Tagebuch für euch schreiben, um euch zu berichten, was ich hier mache und wie es mir in der Zeit bei den Perlenmädchen ergeht.

Ach du Schreck- Vorbereitungen laufen


Heute war mein erster Tag und ich wurde gleich in die Welt der Werbung und des Marketings von Nadine eingeführt. Nächste Woche steht ja der 7te Geburtstag der Agentur an und da laufen die Vorbereitungen natürlich in vollem Gange. Das heißt, es steht viel Arbeit für die nächsten Tage an. Eine Aufgabe meines heutigen Tages war es, die Briefumschläge für die Grußkarten, die noch diese Woche rausgehen sollen, zu gestalten. Es wurde experimentiert bis zum geht nicht mehr. Ziel war es, die Karten so eklig und dreckig zu gestalten wie möglich.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die Umschläge waren wohl beschichtet, sodass es schwierig war, sie “erschreckend anderes“ aussehen zu lassen. Schließlich haben wir es dann mit viiiiieeeeelll Kaffee probiert und blauer Tinte. Und es hat funktioniert, wenn auch mit viel Zeitaufwand.


Danach haben wir uns die fertigen Entwürfe von Gitte für die Internetseite der Stadtwerke Neuruppin angeschaut. Morgen früh haben wir das Meeting mit dem Kunden in Neuruppin. Und wenn sie ein Design besonders gut finden, können sie sich gleich für dieses entscheiden. Natürlich können sie noch Sachen korrigieren und umändern lassen. Alles variabel.





The first Meeting


Früh übt sich. Heute ging es schon um kurz nach acht in Richtung Neuruppin. Es war das erste mal für mich, dass ich bei einem Meeting dabei war. Durch die ganzen Filme hatte ich wohl die Befürchtung, dass die Menschen dort sehr verklemmt sind. Das war dann aber Gott sei Dank nicht der Fall.
Nadine hat den Leuten vom Stadtwerk ihre Ideen und Überlegungen verständlich erklärt und ich habe mich am Protokoll schreiben versucht. Was mögen sie? Was fällt ganz raus? Was wurde vergessen?
Den Kunden hat man eine positive Resonanz zu dem einen oder anderen Entwurf angemerkt, jedoch entscheiden im Endeffekt die Geschäftsleiter, die bei der Besprechung aber nicht anwesend waren. Fazit der Besprechung war, dass sie zwei der Entwürfe favorisiert haben und Nadine nächste Woche diese bei den Geschäftsführern vorstellen wird.


Des Weiteren habe ich noch weiter an den Briefumschlägen gearbeitet. Nachdem sie getrocknet waren, konnte ich sie beschriften. Die Grußkarten waren schon vorbestellt, so musste ich nur noch die Karten falten. Den erschreckenden Effekt, der noch fehlte, musste ich erst einmal aufdrehen. Um was es sich genau handelt, verrate ich hier aber noch nicht ;)




Das Ergebnis scheint auch der Perlenkatze zu gefallen :p


Mein *Fundstück der Woche*


















An meinem letzten Praktikumstag habe ich nach passenden Fundstücken der Woche gesucht. Für alle, die vom Fundstück der Woche noch nichts gehört haben: Das Fundstück der Woche ist eine Idee der Perlenmädchen. Jede Woche erscheint ein neues Bild oder Video aus dem Bereich lustige Werbungen, besonders schlechte Werbungen, oder einfach interessante Beiträge aus dem Bereich Marketing und Design. Ich habe mich jetzt für ein Video von Evian Trinkwasser entschieden. Es ist einerseits urkomisch, wie sich die Bürger in dem Schaufenster als Babys wiedererkennen und andrerseist regt der Song zum Mitsingen und auch zum Tanzen an, sodass Evian Wasser als "Verjüngungmittel" im Gedächtnis bleibt.


Mein Fazit


Zusammenfassend war die Woche genau das Richtige für mich um herauszufinden, ob Werbung etwas für mich ist. Diese Frage kann ich mit einem JA beantworten. Ob mein späterer Beruf in diese Richtung gehen wird ist nicht abzusehen, aber auf jeden Fall sollte er etwas mit Design zu tun haben und da ist Werbung ja ziemlich nah dran. Deshalb schließe ich es nicht aus, später einmal in der Werbebranche zu arbeiten. 


Donnerstag, 18. Juni 2015




Iiih! Ist das ansteckend?!
Viralität im World Wide Web

Ansteckungsgefahr.

Unter Viralität versteht man die schnelle Verbreitung einer Meldung über die Sozialen Medien. Der Content erreicht innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl von Menschen. Wird geklickt, mit "Gefällt mir" markiert und geteilt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit dem Ausbruch einer Viruserkrankung. Viralität wurde erst durch das Web 2.0 möglich. Menschen sind weltweit vernetzt und interagieren miteinander. Ohne Barrieren. Die perfekte Basis, um einen Virus zu verbreiten…

Der Grad der Viralität einer Meldung kann durch diverse Faktoren bestimmt werden. Dazu zählen die Beitragsreichweite, die Anzahl der Klicks, die Menge der „Gefällt mir“ Angaben und die Häufigkeit des Teilens. Je intensiver ein User mit dem Content (Inhalt) interagiert, desto größer ist die Verbreitung des Beitrags. Habt ihr zum Beispiel einen Beitrag gesehen, erhöht ihr damit die Beitragsreichweite. Wenn ihr diesen Inhalt jedoch nicht mit „Gefällt mir“ markiert oder teilt, sorgt ihr nicht für eine weitere Verbreitung. Euch hat vielleicht nicht gefallen, was ihr gesehen habt, konntet nicht berührt oder belustigt werden. Ihr seid anscheinend immun gegen den Virus.

Klickt ihr aber auf „Gefällt mir“, gebt ihr den Virus bereits weiter. Eure Follower bzw. Social Media Freunde sehen dann, dass ihr einen Beitrag positiv bewertet habt. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand auch auf den Beitrag klickt, ist ziemlich hoch. Umso enger ihr befreundet seid, desto höher. Studien haben belegt, dass wir sehr viel häufiger auf Beiträge klicken, die ein guter Freund empfohlen hat, als auf Fremdinhalte.

Noch mehr Wertigkeit hat jedoch ein „Share“. Ein „Gefällt mir“ ist nur flüchtig und wird nur kurzzeitig in der Timeline angezeigt. Teilt ihr einen Beitrag auf eurem Profil oder auf dem eines Freundes erstellt ihr somit einen dauerhaften Eintrag. Es werden also mit der Zeit sehr viel mehr Personen über diesen Beitrag stolpern. Für eine große Verbreitung eines Inhalts sind „Shares“ also sehr wichtig.

Jetzt wissen wir also wie das mit der Verbreitung von Content in den Sozialen Medien funktioniert. Aber was bringt uns dazu mit einem Inhalt zu interagieren?

Emotionen als Nährboden.

Menschen reagieren auf Dinge,  die sie persönlich betreffen und emotional abholen. Emotionen sind also der Schlüssel, wenn man viralen Content erzeugen möchte. Ihr kennt das Phänomen aus eurem Alltag. Wann beteiligt ihr euch zum Beispiel an einer Diskussion? Nicht, wenn euch das Thema kalt lässt, sondern wenn ihr persönlich betroffen seid oder ähnliche Erfahrungen gemacht habt. Ihr redet mit, wenn jemand etwas gegen eure Überzeugungen sagt oder die von euch vertretenen Werte und Prinzipien für nichtig hält. Oder könnt ihr da ruhig bleiben?
Es haben sich schon viele Wissenschaftler und Branchenexperten mit dem Thema Viralität beschäftigt. Aus fast allen Studien geht deutlich hervor, dass positive Emotionen, wie Glück, Liebe, Spaß eher geteilt werden, als negative Emotionen, wie Angst, Trauer und Wut. Generell lässt sich aber sagen, je stärker eine Emotion ist, desto größer ist auch die Resonanz der User.
So lässt sich auch der Erfolg der unzähligen Katzenvideos erklären ;) Allgemeine, eher unbedeutende Inhalte, die viel Leichtigkeit und Spaß vermitteln, teilt man einfach gern.  So etwas macht einfach jeden glücklich!



Virales Marketing.

Das Virale Marketing ist so etwas wie der digitale Zwilling des Guerilla Marketings. Es ist möglich, mit dem Einsatz geringer Mittel eine große Wirkung und somit Verbreitung zu erzielen. Besondern für kleine Unternehmen, mit einem sehr geringen Werbebudget, also eine echte Chance Aufmerksamkeit zu erreichen.

Die erste Voraussetzung ist, dass ihr bereits Social Media Kanäle betreibt. Sie sind der Ausgangspunkt für euren viralen Content. Kanäle, die bereits viele Follower und Aktivität aufweisen, bieten den besten Nährboden.  Umso mehr Leute sich bereits in eurem „Labor“ befinden, desto mehr können sich direkt anstecken und den Virus weitergeben. Einen Boost erhält euer Content, wenn er auf großen Portalen/Fanseiten erscheint oder von wichtigen Multiplikatoren (Personen des öffentlichen Lebens, wie Blogger, Unternehmer oder Promis) mit vielen Followern geteilt wird. Diese Seiten sind wie Knotenpunkte, an denen unzählige Personen vorbeikommen. Das ist die perfekte Petrischale, in der euer Virus wachsen kann!

Den viralen Effekt für das Marketing nutzbar zu machen, ist jedoch nicht so einfach. Schließlich will man die User nicht nur unterhalten, sondern verfolgt Marketing-Ziele.
Diese Ziele müsst ihr natürlich vorher definieren! Was wollt ihr mit der Aktion erreichen? Welche Handlung soll eure Zielgruppe im besten Fall ausüben? Welche Botschaft wollt ihr vermitteln? Geht es um reine Imageziele, wie Bekanntheit und Akzeptanz oder wollt ihr den Verkauf eines Produktes steigern?

Lasst eure Infizierten nicht allein, sondern holt sie ab. Zum Beispiel indem ihr eine Landingpage bereitstellt, auf der die Interessenten weiterführende Informationen finden oder eben direkt euer Produkt erwerben können. Der Einsatz von (hoffentlich) viralem Content sollte immer nur ein Baustein innerhalb eurer Marketing-Strategie sein.

Virale Eigenschaften.

Welche Voraussetzungen muss ein Content nun erfüllen, um die Chance auf virale Verbreitung zu haben? Schaut man sich virale Kampagnen der Vergangenheit hat, fallen einem einige Gemeinsamkeiten auf.

Einfach und verständlich

Viraler
 Content ist simpel und leicht verständlich. Oft sogar über alle Sprachbarrieren hinweg. Die Idee bzw. wird sofort klar und setzt kein speziellen Vorwissen beim Betrachter.
Beispiel: 
Evian: Roller Babies




Emotional


Emotionen sind immer der Schlüssel. Virale Inhalte bringen einen immer zum Lachen, zum Weinen, lassen einen Staunen, Mitfiebern oder einfach nur vor Verzückung aufseufzen.

Beispiele:



Humor

In vielen Inhalten spielt Humor eine große Rolle. Aber der einfache, pure, reine Humor, der Kleinkinder ebenso berühren kann wie die Eltern und Großeltern.

Beispiele: 




Ungewöhnlich/Neu/Kreativ

Menschen bleiben an Content hängen, der neu ist, überraschend und innovativ. Der ungewöhnliche Zusammenhänge herstellt,  eine ungewöhnliche Pointe enthält.

Beispiele: 




Allgemeingültig

Viele virale Inhalte können die Menschen über alle Sprach- und Kulturbarrieren hinweg erreichen und berühren. Einfach weil sie grundlegende menschliche Emotionen ansprechen und somit überall auf der Welt verstanden werden.

Beispiele: 



Sobald ein Inhalt penetrant werbend ist, sinkt die Akzeptanz und das Interesser der Nutzer erheblich. Ihr solltet also nicht auf reine Selbstbebauchpinselung absehen. Eure Inhalte dürfen sich vordergründig nicht nach Werbung anfühlen. Ihr müsst dem Betrachter einen Mehrwert geben. Eine gute Geschichte mit Unterhaltungswert. Einen Virus, der ihn infiziert.

Euer Inhalt sollte zudem optisch ansprechend sein. Fotos und Videos werden viel eher viral als reine Textinhalte oder Storys. Ein Eyecatcher muss zumindest vorhanden sein. Aber auch der dazu gehörige Text will durchdacht sein. Headlines müssen aufmerksamkeitsstark formuliert sein, neugierig machen, etwas andeuten, ohne zu viel zu verraten.

Immunität nicht ausgeschlossen.

Und jetzt die schlechte Nachricht! Selbst wenn ihr alle Faktoren der erfolgreichen viralen Kampagnen der Vergangenheit beherzigt gibt es keine Garantie für den Erfolg. Es gehört immer ein Quäntchen Glück dazu. Der richtige Multiplikator, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, der euren Inhalt teilt. Eurer Content muss den Nerv der Zeit treffen. Kommt ihr mit eurer Ideen zu spät sind die Menschen bereits immun. Seid ihr zu früh, reagieren die User vielleicht eher mit Ablehnung und lassen sich nicht anstecken.

Übrigens könnt ihr euren Content problemlos auch zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in den Ring schmeißen. Die Karten werden jeden Tag neu gemischt. Die Poetry-Slammerin Julia Engelmann landete mit ihrem Beitrag „One day, baby“ einen viralen Hit, obwohl der ursprüngliche Clip bereits viele Monate alt war und vor dem großen Erfolg kaum wahrgenommen wurde. Am Ende landete die Gute sogar bei Stefan Raab auf der Couch. So kann‘s gehen.


Niemand weiß genau, wodurch ein Trend zum Trend wird oder warum ein genialer Clip viral wird und ein anderer genialer Clip eben nicht. Aber genau das macht es ja so spannend! Jeder hat die gleiche Chance. Ob internationaler Superkonzern oder der Einzelunternehmer aus Unterhachingen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!



Dienstag, 12. Mai 2015

Ooops.. Da haben wir wohl was falsch gemacht

Fehler sind menschlich.

Menschen leiten Unternehmen und Menschen sind fehlbar. Dagegen ist niemand gefeit. Fehler können auf lange Sicht immer passieren, kleinen Einzelunternehmern genauso wie riesigen Konzernen.
Egal ob man nur versehentlich jemandem auf die Füße getreten hat, merkwürdige Gerüchte im Umlauf sind oder es zu einem tatsächlichem Fehlverhalten kam. Irgendwann muss sich jedes Unternehmen einmal mit Kritik auseinandersetzen.
Wie jedoch verhält man sich in diesem Fall am besten? Die Reaktion und der Umgang mit Kritik wirken sich enorm auf das Image eines Unternehmens aus.

Die richtige Strategie.

Der Mensch (und somit auch der Firmenchef) neigt zu unterschiedlichen Strategien:

  • Abstreiten

Leugnen ist nichts anderes als lügen. Und die Wahrheit kommt ja bekanntlich immer ans Licht. Diese Weisheit haben wir schon als Kinder von unseren Eltern gelernt. Außerdem macht Lügen extrem unsympathisch. Man verliert jedes Vertrauen. Die Journalisten werden bei einem begründeten Verdacht so lange graben, bis sie etwas gefunden haben. Im schlimmsten Fall, werden auch Steine umgedreht, die noch ganz andere Dinge ans Licht bringen. Den Skandal zusätzlich ausweiten. Leichen im Keller hat schließlich jeder.

Denken wir nur mal an den Clinton-Lewinsky Skandal zurück. Der Präsident beteuerte in unzähligen Statements, dass an den ganzen Vorwürfen nichts dran sein. Bis man schließlich mit dem befleckten Kleid um die Ecke kam und der arme Mann gar nicht anders konnte als reuevoll seine Untreue einzugestehen. Dabei ist Untreue ein vollkommen menschliches Verhalten. Nahezu jeder hat damit schon seine Erfahrungen gemacht. Der Präsident der Vereinigten Staaten  ist eben auch nur ein Mann ;)
Hätte er seinen Fehler von Beginn an eingestanden, sich entschuldigt und Reue gezeigt, hätte er den Journalisten sofort den Wind aus den Segeln genommen. Natürlich wäre es dennoch zu einem medialen Aufschrei gekommen, aber die ganze Sache hätte niemals diese großen Wellen geschlagen.


  • Schweigen

Oder auch bekannt als die Vogel Strauß Strategie. Ich stecke einfach meinen Kopf in den Sand und hoffe, dass mich niemand mehr sieht. Klappt nicht ;) Schweigen macht die ganze Situation noch viel schlimmer. Wer sich nicht zu den Vorwürfen äußert, lässt sich einfach die Zügel aus der Hand nehmen und verliert jeglichen Einfluss auf die Situation. Was zu fatalen Folgen führen kann.

Nehmen wir zum Beispiel den Bauunternehmer Thomas Neger, der mit dem Skandal rund um sein rassistisches Firmenlogo schon seit Monaten immer wieder in der Presse auftaucht. Der Unternehmer nahm die Situation von Anfang an nicht ernst und tat die Kritik an seinem Logo ab mit Äußerungen, wie „Das Logo hat bei uns Tradition“. Kein Anzeichen von Verständnis oder Entgegenkommen. Herr Neger war zunehmend genervt, dass um die Sache so viel Wind gemacht wird und äußerte sich zum Schluss einfach gar nicht mehr zu den Vorwürfen. Der Widerstand wurde aber nicht schwächer, sondern immer stärker. Jetzt ist es sogar so weit gekommen,dass Flugblätter sein Gesicht zeigen und Herr Neger persönlich als Rassist bezeichnet wird. Was ggf. ja gar nicht der Fall sein muss.
Diese Situation hat 100%  das Image der Thomas Neger GmbH beeinflusst und wird sich auch die Auftragslage auswirken. Schließlich möchte nicht jeder mit einem potenziell rassistischen Unternehmen zusammenarbeiten.

dpa
Er hätte die negative Berichterstattung durch eine clevere und schnelle Reaktion wunderbar zu positiver PR für sein Unternehmen verändern können. Stellen wir uns Folgendes vor: Herr Neger äußert öffentlich Verständnis für die Kritiker und entschuldigt sich, da er niemals beabsichtigt hat, andere Menschen mit seinem Logo persönlich zu beleidigen. Er lädt die Studenten vielleicht sogar auf einen Kaffee zu ihm ein, um mit ihnen zu sprechen und sich ihre Sicht der Dinge erklären zu lassen. Zu guter Letzt kündigt er an, ein neues Firmenlogo entwerfen zu lassen und lädt Studenten, Presse und alle Interessierten zur Präsentation des neuen Corporate Designs ein. Die nationale Presse hätte wahrscheinlich live von der Enthüllung des Firmenschildes am Hauptsitz berichtet! Und Zack: die Thomas Neger GmbH und ihr Geschäftsführer hätten unzählige Sympathiepunkte gewonnen und die ganze Sache wäre längst gegessen. Verpasste Chance Herr Neger. Schade. Jetzt nimmt ihnen ihre Reue auch niemand mehr ab.

  •  Ehrlichkeit
Unseres Erachtens gibt es nur eine richtige Reaktion auf Kritik: Menschlich sein und seine Fehler eingestehen! Dazu gehört, zu seinen Taten zu stehen und sich zu entschuldigen. Das Ziel jedes Unternehmens ist es, glaubwürdig und vertrauensvoll zu sein. Unternehmen wollen verkaufen und Menschen kaufen nur von vertrauenswürdigen Unternehmen. Oder macht ihr gern Geschäfte mit Lügnern und Betrügern?

Im April 2014 deckte eine Undercover Reportage gravierende Hygienemängel und unzumutbare Arbeitsbedingungen bei der Fast Food Kette Burger King auf. Bereits einen Tag nach der Ausstrahlung der Sendung war die Story in allen großen Tagesblättern. Der Skandal war perfekt. Genauso perfekt war die Reaktion und Krisen PR des Fast Food Riesen. Hier wurde nicht geleugnet oder vertuscht. Hier wurde blitzschnell, offen und transparent kommuniziert. Einen Tag nach der Veröffentlichung des Berichts entschuldigte Burger King sich auf seiner Facebook Seite bei den Kunden. Burger King äußerte nicht nur leere Worte, sondern ließ Taten folgen. Eine Woche nach der öffentlichen Anschuldigung wurde der zuständige Franchisenehmer entlassen. Es folgten Interviews mit allen großen Tageszeitungen, Printanzeigen und Imagespots. 

Deutschland-Chef Andreas Bork stand allen Rede und Antwort, entschuldigte sich ehrlich und offen. Die Kritik wurde von Beginn an sehr ernst genommen und nicht heruntergespielt. Es wurde nicht mit dem Finger gezeigt, um weitere Schuldige zu präsentieren. Burger King reagierte nicht aggressiv und anklagend auf die Reportage. Man hatte viel eher das Gefühl, dass das Unternehmen dankbar war! Dankbar für die Aufdeckung der Missstände, sodass man diese jetzt beseitigen und in Zukunft noch professioneller und besser werden kann.

Das Unternehmen stellte sich den Fragen und der Kritik ihrer Kunden bei einer Bürgersprechstunde auf dem eigenen Facebook Kanal. Man forderte die Kunden sogar öffentlich auf, sich selbst einen Eindruck von den verbesserten Hygienebedingungen in den Filialen zu machen und einen Blick in die Küche zu werfen. Absolute Transparenz.

Alles in allem wurde die Krise perfekt gemeistert. Das Vertrauen in den Fast Food Konzern wurde innerhalb weniger Wochen wieder hergestellt. Hätte man bei Burger King nicht so schnell und professionell auf den Skandal reagiert, wären Imageverlust, ausbleibende Besucher, Umsatzeinbrüche und anhaltende Kritik in den Medien und den sozialen Netzwerken der Fall gewesen. Und von so einem Worst Case Szenario kann sich selbst ein Mega-Konzern nicht mehr so schnell erholen..

Mücke bleibt Mücke.

Es kann sehr schnell geschehen. Oftmals ohne böswillige Absicht. Wir treten jemandem auf den Schlips. Das passiert uns allen. Privat als auch geschäftlich. Wichtig ist eine angemessene Reaktion auf die Situation. Macht aus einer Mücke niemals einen Elefanten. Nicht auf alle Vorfälle sollte man mit einer reuevollen Entschuldigung reagieren.

pic.twitter.com/lpQCHgEX9e
Anfang dieses Jahres geriet Ryan Air in Kritik. Die Bodencrew malte einen riesigen Penis in die Schneedecke des Flugfeldes. Ein Passagier machte ein Foto von dem Kunstwerk und twitterte es. Naserümpfen und Kritik waren die Folge. Sogar die Daily Mail berichtete von dem Vorfall. Statt sich auf die Knie zu werfen und um Vergebung zu bitten, twitterte die Fluglinie: „Die Bodencrew hat wohl vergessen, die Flügel an das Flugzeug zu malen.“ Und schon war die Luft raus, die Situation entschärft und der Tweet entwickelte sich sogar zu einem viralen Hit.

Ähnlich selbstironisch und humorvoll reagierte Lieferheld auf die heftige Kritik zur Uli Hoeneß Anzeige. Der Fast Food Lieferant titelte mit der Headline „Uli, wir liefern auch nach Landsberg“ und spielte damit auf den Gefängnisaufenthalt des Bayernchefs an. In den sozialen Medien entwickelte sich ein richtiger Shitstorm. Herr Hoeneß hat anscheinend sehr viele Sympathisanten.
Lieferheld reagierte unglaublich cool und selbstbewusst auf die Kritik. Das Unternehmen veröffentlichte in seinem Blog die Top 10, der besten Beleidigungen und bedankte sich für die vielen kreativen Posts. Tolle und witzige Reaktion, die auch im Netz großen Anklang fand. Ein weiteres schönes Beispiel dafür, wie man durch Humor eine Situation entschärfen kann.

Im Keim ersticken.

Als Unternehmer steht ihr im Licht der Öffentlichkeit. Ob euch das gefällt oder nicht. Die Menschen um euch herum beobachten euch, empfangen eure Botschaften und interessieren sich aus dem ein oder anderen Grund für eure Handlungen.

Größere Veränderungen und wegweisende Entscheidungen eures Unternehmens solltet ihr daher offen kommunizieren und erklären. Informiert eure Kunden und natürlich auch die Presse. So habt ihr die Möglichkeit in euren eigenen Worten, die Fakten und eure Beweggründe darzulegen. Handelt ihr ohne jegliche Erklärung an die Öffentlichkeit, riskiert ihr die Entstehung von Spekulationen und Gerüchten. Außerdem kann es sehr gut sein, dass sich eure Kunden vor den Kopf gestoßen fühlen und das Vertrauen in euch verlieren.

Im letzten Jahr kam es bei einem Kunden von uns zu einem größeren Umbruch. Eine neue Gesellschaft sollte gegründet werden. In der Presse kursierten schon Monate vor der Gründung Gerüchte und Vermutungen zu dem Vorhaben. Undichte Stellen gibt es schließlich immer. Unser Kunde äußerte sich allerdings nicht zu diesen Gerüchten. Vogel Strauß Strategie.
Mit der Gründung der neuen Gesellschaft wurde schließlich zu einer öffentlichen Pressekonferenz geladen. Bis heute ist jedoch auf der eigenen Website des Kunden nichts über die Entstehung der neuen Gesellschaft zu lesen und welche Beweggründe hinter dieser Entscheidung steckten. Der Übergang hat einfach stillschweigend stattgefunden. Alle die es interessiert, konnten die Entwicklungen ja der Presse entnehmen. Ein absolut unangemessenes Verhalten, dass in diesem Fall glücklicherweise keine allzu negativen Folgen nach sich zog. Das hätte auch anders ausgehen können.

Anleitung.

Jede Krise lässt sich bewältigen. Entscheidend ist einfach, wie ihr mit der Situation umgeht. Verliert nicht den Kopf, sondern reagiert immer bedacht auf Kritik. Wir haben für euch hier nochmal die wichtigsten Regeln zusammengefasst:

  • Schnelle und angemessene Reaktion
  • Berechtigte Kritik immer ernst nehmen
  • Offene, ehrliche und transparente Kommunikation
  • Den Worten Taten folgen lassen


Zum Schluss noch ein kleiner Tipp. Social Media ist ein ideales Werkzeug, um schnell auf Kritik zu reagieren und anhaltend das Unternehmensimage zu steuern. Wie wichtig eine sofortige Stellungnahme sein kann, hat das Burger King Beispiel gezeigt. Presseinterviews müssen erst vereinbart werden, Anzeigen und Spots müssen erst produziert werden. Ein Facebook Post kann in wenigen Minuten veröffentlicht werden. Kein anderes Medium ermöglicht eine so direkte Reaktion und Kommunikation.

Also, keine Angst vor Kritik. Seht sie eher als Chance euch zu verbessern. Und verbessern können wir uns alle.





Donnerstag, 16. April 2015


Suchmaschinenoptimierung - Vom Suchen und Finden im World Wide Web

Wissenschaft.

Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt große Agenturen, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigen.

Es wirken sich bis zu 200 Faktoren auf das Suchmaschinen-Ranking aus. Jeder Dienst setzt hier andere Schwerpunkte. Der bekannteste und am meisten genutzte Suchdienst ist nach wie vor Google.  Die Experten aus den SEO (Search Engine Optimization) Agenturen kennen jeden Trick und jede Stellschraube. Aber auch bei der Suchmaschinenoptimierung gibt es keine 100% gültigen Gesetze. Alles ist im Fluss. Google passt seine Ranking Kriterien ständig an aktuelle Entwicklungen und Gegebenheiten an. Jede Agentur verfolgt deshalb etwas unterschiedliche Ansätze und Strategien. Solche Strategen kosten natürlich eine ganze Stange Geld.

Für Einzelunternehmer und kleine Firmen mit einer Hand voll Angestellten ist es vollkommen utopisch solche Agenturen zu beauftragen. Wer ein paar grundlegende Dinge beachtet, kann aber auch mit den gegebenen Möglichkeiten einiges für die eigene Website herausholen. Gerade wer eine CMS (Content Management System) Website betreibt, wie zum Beispiel Typo 3 oder Wordpress, kann vieles selbst erledigen.

Kontext statt Keyword.

Google möchte seine User glücklich machen und setzt daher auf Qualität. Ein Google User ist genau dann glücklich, wenn ihm die Suchmaschine explizit die Inhalte bieten kann, nach denen er gerade gesucht hat. Je klarer und präzisier ihr also eure Leistungen/Produkte auf eurer Website beschreibt, desto besser werdet ihr gefunden.

Google hat hier aus vergangenen Fehlern gelernt. Vor einigen Jahren war das große Schlagwort bei der Suchmaschinenoptimierung „Keywords“. Der Dienst hatte Websites auf die Häufigkeit vorkommender Schlagworte abgesucht. Je häufiger ein Wort vorkam und je weiter oben es auf einer Website stand, desto höher war die Gewichtung. Diese sehr einfache Art der Auswertung hat eine ganze Menge Missbrauch und Betrug nach sich gezogen. Plötzlich tauchten überall Keyword Wolken auf, eine Aneinanderreihung von Schlagworten, die in keinem Kontext zueinander standen. Einige Websitebetreiber nutzten sogar häufig gesuchte Keywords wie „Britney Spears“, um das Ranking ihrer Seite zu verbessern, obwohl sie lediglich Küchenbedarf verkauften. 

Der User wurde bei diesem Vorgehen total vergessen. Es ging nur darum, einen Spitzenplatz im Google Ranking zu ergattern und nicht die Suchanfrage des Users ideal zu beantworten. Ein klarer Qualitätsverlust von Google. Keyword Listen haben ihre Wertigkeit komplett eingebüßt. Google setzt jetzt auf Content, also den tatsächlichen Inhalt einer Website. Seid daher immer ehrlich und lockt keine User unter falschem Vorwand auf eure Seite.

User-optimierte Inhalte.

Macht euch als erstes bewusst, dass ihr eure Website nicht für Google optimiert, sondern für die User, also eure potenziellen Kunden. SEO bedeutet, eure Website und die Inhalte dieser auf die Suchanfragen der User abzustimmen.

Vor der Suchmaschinenoptimierung stehen also konzeptionelle Überlegungen. Wer ist eure Zielgruppe? Welche Bedürfnisse und Fragen hat sie in Bezug auf euer Angebot? Welchen Wissenstand haben diese Menschen? Wie und mit welchen Begriffen würden sie nach eurer Leistung suchen? Schreibt eure Webtexte immer in der Sprache eurer Kunden! Wer keine Spezialisten erreichen will, sollte auf Fachsprache verzichten. Vermeidet auch eher unternehmensinterne und unübliche Ausdrücke. Schreibt allgemeingültig und nutzt gebräuchliche Formulierungen.

Außerdem solltet ihr eine klare Positionierung haben, wissen wer ihr seid, wie ihr wahrgenommen werden und wie ihr mit euren Kunden kommunizieren wollt. Die Tonalität, die Stimmung und die Ansprache auf eurer Seite beeinflussen, wer zu euch gelangt und ggf. hängen bleibt.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist, eure Leistung zu priorisieren. Was ist euer Kerngeschäft? Worin seid ihr richtig gut? Womit verdient ihr am meisten Geld oder wollt es zukünftig tun? Welche Leistungen sind weniger relevant oder nur ergänzend? Baut nach dieser Priorisierung eure Inhalte auf. Das Wichtigste sollte in der Hierarchie der Website am weitesten oben stehen und inhaltlich ausführlicher dargestellt werden.

Enthält eure Domain (www.beispiel-keyword.de) bereits ein relevantes Keyword, wird das von Google besonders hoch gewertet. Danach nimmt die Wertigkeit Stück für Stück entsprechend der Hierarchie ab. Schlüsselwörter in der Headline der Startseite sind relevanter als die in den Fließtexten. Umso weiter unten auf der Seite und in den Seitenebenen ein Keyword auftaucht, umso geringer ist seine Wichtung.

Schreibt prägnante, zielgerichtete Texte, die eure wichtigsten Schlüsselworte beinhalten. Achtet auf ein sinnvolles und ausgewogenes Verhältnis. Die Texte sollen sich für den User gut lesen, nicht für Google! Verzichtet aber auf lange Fließtexte. Denkt dabei einfach an euer eigenes Verhalten im Netz. Wenn ihr etwas sucht, scannt ihr die Seite nach Schlüsselworten ab und wollt sehr schnell zur den relevanten Informationen vordringen. Bereitet eure Inhalte also eher optisch auf. Nutzt dazu Icons, Animationen und Aufzählungen.

Metadaten.

Backend CMS WebsiteSind eure Inhalte auf der Seite soweit vorbereitet, geht es jetzt darum die Metadaten in das Backend eurer Website einzutragen. Für alle, die jetzt null verstehen: Keine Panik! Alles gar nicht so verwirrend wie es klingt. 

Metadaten sind beschreibende Daten zu eurer Website, die durch eine Suchmaschine besonders gut ausgelesen werden können. Dazu zählen zum Beispiel Seitentitel und Seitenbeschreibungen. Der interne Bereich eurer Website wird als Backend bezeichnet.

Loggt euch also in euer CMS (eure Website) ein. Da wir uns auf Typo3 spezialisiert haben, gehe ich an dieser Stelle auf dieses CMS ein. 

Das Typo 3 Backend besitzt einen SEO Bereich, der von euch bereits alle wichtigen Metadaten abfragt und nur sinnvoll ausgefüllt werden muss. Hier solltet ihr den Seitentitel und die Inhaltsbeschreibung zu jeder Unterseite eintragen.







Durch den Seitentitel gebt ihr der Unterseite also einen richtigen Namen, der statt eines Hieroglyphen-Links im Browser erscheint. Dieser Seitentitel kann zum einen von der Suchmaschine besser ausgewertet werden und zum anderen können die User besser erkennen, wo sie sich auf eurer Seite gerade befinden und sich den Link ggf. auch direkt merken. 

titel-TAG SEO CMS













Zusätzlich kann man auch noch einen URL Alias vergeben, um die Seite mit einem weiteren relevanten Keyword zu bezeichnen. Auch diesen trägt man im Typo3 einfach in das entsprechende Feld innerhalb der Maske ein.

CMS Website SEO URL-AliasSEO CMS Typo3 Seitentitel


Bei der Inhaltsbeschreibung solltet ihr in 1-2 prägnanten Sätzen den Inhalt der Seite angeben. Diese 2 Zeilen erscheinen dann in der Google Ergebnisliste, direkt unterhalb des Seitentitels. Tragt ihr diese Informationen hier nicht ein, sucht sich Google selbst eine kurze Textpassage, die aber nicht unbedingt passend zum Inhalt eurer Seite ist oder aussagekräftige Schlüsselworte enthält. Es ist also sehr sinnvoll, die Inhaltsbeschreibung auszufüllen. Die User können aus diesen 2 Zeilen bereits sehr gut ableiten, ob eure Website die benötigten Informationen enthält oder nicht. Und somit ob sie eure Seite besuchen wollen oder eben nicht.

Meta Daten CSM Website SEO SEO Seitenbeschreibung Suchmaschine


Feinschliff.

Ein wichtiges Kriterium ist die Aktualität einer Website. Arbeitet regelmäßig an euren Inhalten, berichtet von Neuigkeiten in eurem Unternehmen und bereinigt eure Seite von veralteten Informationen. Ebenfalls relevant für das Ranking sind Backlinks. Das heißt Links von anderen Websites, die auf eure Seite verweisen. Die Links werden umso wertvoller, wenn sie von Seiten stammen, die einen hohen Traffic aufweisen. Sprecht also mit euren Lieferanten, Partnern und Kunden. Fragt sie ob ihr sie auf eurer Website verlinken dürft und bittet im Gegenzug um einen Backlink.

Denkt auch daran, eure Bilder, Grafiken und Animationen im Backend richtig zu betiteln und kurz zu beschreiben (Bild Meta Daten). Google kann nicht sehen, sondern nur Zeichen auswerten. Wenn ein Bild nicht benannt ist, kann der Dienst es in seine Suche also nicht mit einbeziehen. Für die Suchmaschine ist es dann nur ein schwarzer Fleck auf eurer Website.










Zum Schluss möchte ich nur noch 2 Punkte nennen, die sich auf euer Google Ranking auswirken. Zum einen ist das die Performance. Das heißt die Geschwindigkeit, mit der die Inhalte eurer Website geladen werden können. Achtet darauf, nur Bilder in Webauflösung zu verwenden und packt eure Slideshows nicht mit unnötig vielen Fotos voll. Generell solltet ihr versuchen, die zu ladende Datenmenge eurer Seite gering zu halten.

Zum anderen ist das der Punkt responsive Design. Response kommt aus dem Englischen und bedeutet Antwort. Eine Website mit einem responsive Design erkennt, mit welchem Gerät der User auf sie zugreift und passt die Darstellung der Inhalte auf die Auflösung und Displaygröße an. Viele Privatpersonen besitzen bereits keinen Desktop PC mehr, sondern  nutzen nur noch Smartphone oder Tablet, um im Internet zu surfen. Responsive Websites erhöhen also den Komfort und die Bedienbarkeit einer Website, wenn man diese mit einem mobilen Endgerät besucht. Google legt zunehmend Wert auf diese Funktionalität.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht in das weite Feld der Suchmaschinenoptimierung bringen. Wenn ihr diese grundlegenden Dinge beherzigt und umsetzt, werdet ihr das Ranking eurer Website spürbar verbessern können. Viel Erfolg!