Dienstag, 15. September 2015

Klartext – So schreibt ihr richtig!

Mehr als Worte

Flyer, Webseiten, Broschüren, Emails – Der Kontakt mit euren Kunden läuft größtenteils über das geschriebene Wort. Durch Text vermittelt ihr euer Angebot, eure Kompetenz, eure Werte und Arbeitsweisen. Er ist also ein entscheidendes Kommunikationsmittel. Mit der Art und Wiese, wie ihr kommuniziert, beeinflusst ihr euer Image. Die Menschen spiegeln das, was ihnen entgegengebracht wird.
Ist eure Unternehmenssprache eher konservativ und distanziert, werden eure Kunden euch genauso reserviert entgegen treten.

Ein Text hat immer 2 Ebenen. Die erste ist die Inhaltsebene, also der reine Informationsgehalt. Die zweite Ebene ist da schon spannender. Sie vermittelt Emotionen und Gefühle. Also alles was sprichwörtlich zwischen den Zeilen mitklingt. Viele Menschen vernachlässigen die zweite Ebene. Oft ist ihnen auch gar nicht bewusst, welchen Eindruck ihre Texte auf den Leser haben.

Von Mensch zu Mensch

Ihr seid ein Unternehmen und keine Behörde. Sprecht also freundlich und offen mit euren Kunden! Formuliert nicht zu förmlich und steif. Verwendet keine standardisierten Formulierungen und Floskeln. Sonst klingt eure Mail schnell nach einem maschinell erstellten Schreiben.

Aber sogar automatisch generierte Mails können Spaß machen! Hier mal ein zauberhaftes Beispiel einer Druckerei:

Hallo Gitte!
Hier ist Little MOO - der freundliche Druckroboter, der sich um Ihre Bestellung kümmert. Danke nochmal, es war toll, zu sehen, wie Ihre Designs entstanden sind. Ich kann Ihnen verraten, dass Big MOO Ihre Bestellung gedruckt hat und sie bald abgeschickt wird. Yay!

Euer Kunde sollte immer spüren, dass er nicht wie Massenware abgefertigt wird und mit einem echten Menschen spricht. Sprecht deshalb jeden Empfänger individuell an. Geht auf kleine Details ein, die der Interessent mit euch teilt. Ein paar nette Worte über das Wetter oder den Wohnort des Kunden kosten euch nicht viel Zeit, werden dem Empfänger aber ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Wisst ihr was dadurch außerdem passiert? Ihr werdet auch Lächeln! Denn Kommunikation macht Spaß. Eure Kunden werden die Freundlichkeit, die ihr ihnen entgegenbringt erwidern.

Beispiel gefällig? Diese Mail haben wir vor ein paar Wochen erhalten:

Hallo die Damen!
Ich, Gymnasium-Wittstock-Absolvent von 1999 und derzeit in Potsdam lebend und arbeitend, mag eure Arbeit sehr.
Ich bin derzeit angestellt in Berlin, habe aber Ambitionen auf Selbständigkeit. Vielleicht passt es ja mal und ich kann mich bei euch vorstellen zwecks Konzepterarbeitung einer Internetpräsenz ...

Liebe Grüße,

Unsere Antwort:

Hallo XXX!
Vielen Dank für deine Mail und deine lieben Worte. Eine alte Wittstockerin und Gymi-Absolventin - das ist ja nett! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Selbstständigkeit! Gerade zu Beginn ziemlich aufregend, aber wir versprechen dir, es lohnt sich :)
Wir können sehr gern einen Termin vereinbaren, um uns kennenzulernen und über dein Projekt zu sprechen.
Ich freue mich auf deine Rückmeldung und schicke viele Grüße ins wunderschöne Potsdam,

Ihr merkt, einen freundlichen Text zu schreiben, ist gar nicht so schwer. Verlasst einfach die alten Wege, verzichtet auf 08/15 Formulierungen und öffnet euch für die Menschen um euch herum. So zaubert ihr euch automatisch sehr viel mehr Spaß in euren Arbeitsalltag!

Der Werbetext

Postkarte für das Bier "Schlossgeflüster" aus Rheinsberg
Der direkte Kundenkontakt ist eine Sache, schreiben für Werbemittel nochmal eine ganz andere.

Wie oft hören wir den Satz: „Ach, texten können wir selbst. Wir brauchen nur die Grafik.“ Dabei müssen Grafik und Text eine Einheit bilden. Hand in Hand gehen. Zumindest wenn man ein Werbemittel haben möchte, das funktioniert.

Lange Schachtelsätze, komplizierte Formulierungen im Nominalstil und der unmotivierte Konjunktiv zerstören die Wirkung der schönsten Grafik.

Die bunten Farben und Formen ziehen erstmal das Auge des Betrachters an. Ist die Aufmerksamkeit eingefangen muss jedoch der Text übernehmen. Denn nur punktgenau gesetzte Worte und Formulierungen können Botschaften übermitteln, zu Handlungen aufrufen und Pointen zünden lassen.

Klare Gedanken = verständliche Texte

Bevor ihr anfangt einen Text zu schreiben, solltet ihr euch Gedanken über folgende Dinge machen

  •  Inhalte

-        Was will ich mit meinem Text sagen?
-        Welches Ziel/welche Handlung möchte ich beim Leser erreichen?

Kreativität scheitert oft an Planlosigkeit. Klingt widersprüchlich, ist aber so. Erst wenn ich ein Ziel habe, kann ich beginnen zu Schreiben. Ohne Ziel ersticken die eigenen Worte in der Unendlichkeit der Möglichkeiten. Macht euch also klar, was ihr sagen wollt und was euer Text erreichen soll. Erarbeitet euch zum Bespiel mit Stichworten und kurzen Textpassagen eine erste grobe Struktur.

  • Zielgruppe

-        Wer ist der Empfänger meines Textes?
-        Welchen Wissensstand hat der Empfänger über mein Thema?

Macht euch von Beginn an klar, wer der Empfänger eures Textes sein soll. Versetzt euch in diese Menschen hinein. Wichtigstes Ziel: Der Leser muss verstehen, was ihr von ihm wollt! Kommuniziert immer auf Augenhöhe.
Schreibt ihr an Laien, solltet ihr Fachchinesisch tunlichst vermeiden. Schreibt ihr an Experten können ein paar Fachwörter hier und da nicht schaden. So vermittelt ihr dem Leser gleich eure Kompetenz.

  • Tonalität

-        Wie möchte ich meine Zielgruppe ansprechen?
-        Welche Wirkung soll mein Text haben?

Eine wichtige Grundlage für einen gelungenen Text ist es, die Positionierung des eigenen Unternehmens zu kennen. Die Tonalität eurer Formulierungen sollte zu euch passen. Versucht nicht zu sein, wer ihr nicht seid. Verstellt euch nicht. Seid authentisch. Dann seid ihr auch glaubwürdig.

Wie wollt ihr eure Empfänger also ansprechen? Freundlich oder streng? Humorvoll oder ernsthaft? Wollt ihr neutral sein oder Stellung beziehen?

Eure Zielgruppe ist es oft gewohnt, auf eine bestimmte Art angesprochen zu werden. Gebt ihr eurem Text aber eine andere Tonalität, könnt ihr diese Menschen viel eher überraschen. Wollt ihr zum Beispiel Beamte erreichen, konfrontiert diese Menschen einfach mal mit Humor. Damit rechnen sie garantiert nicht ;) Allein deshalb werdet ihr mit eurem Werbemittel auffallen.

Euch sollte auch klar sein, für welches Medium ihr schreibt. Der Text muss in Umfang und Anmutung zum Werbemittel passen. Zum Beispiel hat ein Fließtext auf einem Plakat oder in einer Anzeige nichts zu suchen.

Flyer für die Fahrschule Reypa aus Wittstock
Bilder im Kopf

Werbetexte lesen muss Spaß machen! Lasst mit euren Worten Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Nutzt dazu Wortspiele und Metaphern. Lasst euren Empfänger kleine Rätsel lösen und Pointen entdecken. Benutzt Analogien, um euer Thema in einen überraschenden Kontext zu setzen.






Hier ein paar wichtige Grundregeln:
  • Schreibt kurze Sätze - immer eine Aussage nach der anderen
  • Benutzt Verben und Adjektive
  • Verzichtet auf Substantivierungen
  • Lasst Füllwörter und Floskeln weg
  • Formuliert aktiv und motivierend - nutzt Aufforderungen
  • Verzichtet auf passiv-Formulierungen und den Konjunktiv


Eine Anzeige für einen Friseur in der Abitur-Beilage der Tageszeitung:



Text für eine Weihnachtskarte des Reisebüro Globus aus Neuruppin:

Sie träumen nicht von weißen Weihnachten, sondern weißen Sandstränden?
Statt Glockenklingen hören Sie Wellenrauschen?
 
Ganz klar: Sie haben Fernweh! Erfüllen Sie sich ihre Urlaubswünsche und buchen Sie bereits jetzt für 2015. Oder beschenken Sie sich und ihre Lieben mit einem Reisegutschein! Wir beraten Sie gern.
Das Reisebüro Globus wünscht Ihnen frohe Weihnachten und ein urlaubsreiches Jahr 2015!

P.S.: Der Weihnachtsmann ist übrigens gerade Surfen. Und zwar auf unserer neuen Website!
Urlaubs-Schnäppchen, Inspirationen und Reiseberichte: www.reisebuero-globus.de
Schneien Sie doch mal vorbei! Wir sind gespannt auf ihre Meinung!


Sport-Sponsoring Anzeige für die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin:

Sport-Sponsoring Anzeige für die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin


Der Webtext

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf Texten für das Internet eingehen. Webtexte schreibt ihr in erster Linie natürlich für den User. Aber auch die „Denkweise“ einer Suchmaschine müsst ihr in euren Formulierungen beachten. (Wer sich zur Thematik Suchmaschinenoptimierung Belesen möchte, kann das hier in unserem Blogartikel tun.)

Verwendet also bewusst vorab definierte Keywords in euren Formulierungen. Je weiter oben ein Schlüsselwort auf eurer Website steht, desto mehr Bedeutung misst Google diesem bei. Baut eure Texte inhaltlich also nach der Priorität eures Angebots auf.

User lesen nicht gern. Das kennt ihr von euch selbst, wenn ihr im Internet unterwegs seid. Der Besucher einer Website scannt die Seite viel eher nach bestimmten Begriffen ab. Schließlich wollen wir so schnell wie möglich zur gesuchten Information vordringen.
Lange Fließtexte sind für das Web also eher kontraproduktiv. Arbeitet stattdessen mit Absätzen, Markierungen und Aufzählungen, um eure Informationen übersichtlich und schnell verständlich zu übermitteln. Textet kurz, knapp und auf den Punkt.
Komplexere Themen solltet ihr zusätzlich mit Hilfe von Grafiken und Icons verständlich machen.

Hier findet ihr einige Beispiel-Seiten: 


Abschreiben erlaubt!

Ihr seht also, Text ist nicht gleich Text. Mit ein paar Worten könnt ihr unglaublich viel vermitteln. Neben den nackten Informationen, nämlich auch noch eine ganze Menge Subtext.

Beachtet unsere einfachen Hinweise für das Schreiben. So werdet ihr ganz schnell die alten, eingefahrenen Wege verlassen. Schreibt einfach so wie ihr sprecht. In einer Unterhaltung würdet ihr niemals einen Satz verwenden, der über vier Zeilen geht und den man erst nach dreimaligem Lesen versteht. Sprecht euch die Texte nach dem Schreiben laut vor. So hört ihr am ehesten, an welchen Stellen es noch hakelt.

Und das Wichtigste: Sprecht eure Kunden so an, wie ihr selbst angesprochen werden möchtet. So schreibt ihr euch und euren Lesern ein Lächeln ins Gesicht!