Dienstag, 28. Juni 2016

Das ist ja förmlich unförmlich!
Warum ein „Du“ vieles einfacher macht.

Kommen Sie ruhig näher!

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einem befreundeten Unternehmer unterhalten. Er sagte mir, dass die Kommunikation der perlenmädchen viel zu persönlich und buddylike wäre. Zu Kunden und Mitarbeitern müsse ein professioneller Abstand gewahrt werden.
Ich denke, dass genau dieser Abstand hinderlich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Für gemeinsames Arbeiten und Geschäfte machen ist Vertrauen das A und O. Durch den Aufbau einer persönlichen Beziehung wird das Vertrauen ineinander gestärkt. Deshalb versuchen wir von Beginn an, unseren Kunden nahe zu sein.

Die Tonalität eurer Unternehmenskommunikation wirkt sich enorm auf eure Kunden aus. Ihr kennt sicherlich das Sprichwort: „Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es auch wieder hinaus“.
Sprecht ihr eure Zielgruppe offen, persönlich und sympathisch an, werdet ihr eine Response in ähnlicher Tonalität erhalten. Bleibt eure Ansprache kühl und distanziert, werden eure Kunden ebenfalls auf Abstand bleiben. Ihr habt es in der Hand, den Grad der Nähe zu euren Kunden zu bestimmen.

Nicht jeder Unternehmer fühlt sich mit so viel Nähe zu seinen Kunden wohl. Wichtig ist vor allem, dass ihr authentisch bleibt. Verstellt euch nicht. Geht aber dennoch soweit auf eure Kunden zu, wie es sich für euch richtig anfühlt.

Hand in Hand

Eine persönliche Atmosphäre im eigenen Unternehmen wirkt sich immer positiv auf die Zusammenarbeit der Mitarbeiter aus. Ein „Du“ baut Hierarchien ab. Alle Teammitglieder werden ebenbürtig. Der Umgang miteinander wird ehrlicher und lockerer. Niemand ist gezwungen eine Maske zu tragen. Die Mitarbeiter werden ehrlich äußern was sie denken. Sie teilen Ideen und Vorschläge mit dem Team, werden sich aber auch trauen, Ängste und Vorbehalte zu äußern.
Durch den Input der Mitarbeiter können Arbeitsprozessen viel effizienter gestaltet werden. Außerdem können produktivere Teams zusammengestellt werden, wenn klar ist, welche Mitarbeiter am besten harmonieren. Die Kollegen fühlen sich miteinander verbunden, unterstützen sich und stehen für einander ein.
Sympathie und Freundschaft sorgen dafür, dass wir offener für den Standpunkt des anderen sind. Wir denken weniger Ich-bezogen, weil wir die gute Beziehung zum Gegenüber aufrechterhalten möchten.

Auge in Auge

Bei der Kommunikation mit euren Kunden hat ein „Du“ ähnlich positive Nebenwirkungen. Wenn ihr offen und persönlich auf eure Kunden zugeht, werden sie euch ebenfalls aufgeschlossener gegenübertreten. So baut ihr von Beginn an Ängste und Unsicherheiten ab und stellt ein wichtiges Grundvertrauen zu eurem Gegenüber her. Beide Partner werden sich ebenbürtig und können sich auf Augenhöhe verständigen.

Die Offenheit und Ehrlichkeit, die ihr euren Kunden entgegenbringt, werdet ihr im Gegenzug auch von Ihnen erhalten. Das sorgt dafür, dass ihr die Probleme und Wünsche der Kunden schneller erfassen könnt. Schließlich vertrauen sie euch, müssen sich nicht verstellen und werden deshalb eher ihre eigentlichen Vorstellungen und Motive mit euch teilen.
Eine persönliche Beziehung verringert zudem die Gefahr betrogen zu werden. Wenn wir jemanden sympathisch finden, wollen wir die gute Beziehung zu dieser Person aufrechterhalten und ihr nicht schaden.

Das wirkt sich besonders positiv in Verhandlungen aus. Die Gesprächspartner werden nicht auf ihren Positionen verharren und nur die eigenen Vorteile durchdrücken wollen. Viel eher wird man einen Kompromiss anstreben, der für beide Seiten Vorteile bringt. Wir werden empathischer und sind eher bereit, uns in die Position des Gegenübers zu versetzen.
Wir können Situationen besser einschätzen und sinnvollere Lösungen finden, wenn wir offen und ehrlich miteinander kommunizieren; wenn wir die Motive, Vorbehalte oder Ängste des Anderen kennen. Private Probleme können sich zum Beispiel erheblich auf die Kommunikation und die Entscheidungen eines Menschen auswirken. Ohne Vertrauen und Sympathie zum Gegenüber werden wir von solchen Faktoren allerdings nichts erfahren.

Seite an Seite

Natürlich muss man neue Kunden oder Mitarbeiter nicht von Beginn an duzen. Der Zeitpunkt muss sich einfach richtig anfühlen. Bei manchen Menschen spürt man sofort eine Verbindung, bei anderen muss sich diese erst aufbauen. Und natürlich kommt es auch mal vor, dass man niemals einen Draht zueinander findet.

Ihr solltet auch nicht alle um euch herum wie selbstverständlich duzen. Beide Partner müssen sich wohl damit fühlen. Gebt den Menschen Zeit. Durch Wortwahl, Tonalität und Körpersprache, könnt ihr eurer Gegenüber zu einem Du einladen, ohne es direkt zu thematisieren.
Ich denke, dass der Aufbau einer persönlichen Beziehung zum Gegenüber immer erstrebenswert ist. Eine gute Menschenkenntnis macht natürlich vieles einfacher. Mit dieser Gabe wird es euch leicht fallen, Menschen zu finden, mit denen ihr gut zusammenarbeitet - Aber auch die Personen auszumachen, von denen ihr euch besser fernhaltet.

Eine Gefahr dürft ihr jedoch nicht unterschätzen. Bei all der Freundschaft ist es entscheidend, Unternehmer zu bleiben. Unternehmerisch zu handeln und zu denken. Ihr kennt das Sprichwort mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand? Lasst euch nicht auf Freundschaftsdienste ein. Gute Leistung muss bezahlt werden. Zu einem angemessenen Preis. Es muss immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Geben und Nehmen herrschen.

Welchen Vorteil soll dieser „professionelle Abstand“ also bringen, den wir durch das Siezen aufrechterhalten? Beide Partner werden sich immer vorsichtig umkreisen, abschätzend sein und entscheidende Informationen zurückhalten. Die Zusammenarbeit kann niemals so effizient und erfolgreich sein, wie zwischen zwei Menschen, die sich auch auf der Beziehungsebene miteinander verbunden fühlen. Wirkt es sich auf die Qualität meiner Arbeit oder auf meine Professionalität aus, wenn ich mein Gegenüber duze? Ich denke nicht.


Aber was denkt ihr? Wie handhabt ihr die Kommunikation in eurem Unternehmen? Wir freuen uns über euer Feedback!