Dienstag, 28. August 2018

Freiheit macht schlau


Die selbsterfüllende Prophezeiung


Wer kennt sie nicht? Diese chronisch überarbeiteten Chefs, die ihrem Gegenüber nie wirklich zuhören. Sobald das Telefon klingelt oder der PC eine neue Mail ankündigt, sind sie mit den Gedanken schon wieder woanders. Die Augen immer ruhelos, nie fokussiert. Sie sind die Erfinder des „Burnout“.

Diese Menschen leiden fast immer an einem hausgemachten Problem: Kontrollwahn. Sie trauen ihren Mitarbeitern nichts zu, wollen zu jedem Detail gefragt werden und müssen immer alles selbst entscheiden. Da haben wir sie dann wieder, die selbsterfüllende Prophezeiung. Genauso erzieht man seine Mitarbeiter zu Marionetten. Zu kopflosen Holzsoldaten. Wer seine Mitarbeiter für unfähig hält und sie fürs Mitdenken bestraft, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Team nur unselbstständig und unmotiviert arbeitet.

Nicht selten ist es auch die eigene Unsicherheit, die Chefs solch ein Verhaltensmuster zeigen lässt. Wenn man befürchtet, seinen Status oder seine Machtposition zu verlieren, hält man seine Angestellten besser an der kurzen Leine. Ein weiterer Auslöser kann der Perfektionismus sein. Aus Angst, Fehlern zu machen, legt man lieber nichts in fremde Hände, sondern erledigt einfach alles selbst.
Was auch immer der Grund ist: Mit einem solchen Verhalten legt ihr nicht nur euch selbst in Ketten, sondern auch euer Team.

Alles eine Frage der Erziehung


Die oberen Etagen bilden sich oft ein, alles besser zu wissen. Aber niemand kennt die Abläufe, Stolpersteine und die individuellen Gegebenheiten zu einer Aufgabe besser, als der Mitarbeiter, der mit genau dieser betraut ist. In den Arbeitsprozessen der Angestellten stecken die Vorgesetzten einfach nicht tief genug drin. Warum denken Sie dann oft, alles besser zu wissen?

Wer selbstständig denkende und eigenverantwortlich handelnde Mitarbeiter möchte, sollte seinen Leuten einfach mehr freie Hand lassen. Eure Aufgabe ist es zu lenken und zu leiten, das große Ganze im Auge zu behalten. Während ihr oben auf dem Ausguck sitzt und den Kurs für euer Unternehmen plant, halten euch eure Leute den Rücken frei.
Wer noch unsicher ist, startet erstmal einen Testballon. Übertragt eurem Team eine Aufgabe und nehmt euch vor, euch mal nicht einzumischen. Ihr werdet vom Ergebnis ganz sicher überrascht sein!

Also übertragt ihnen Verantwortung, lasst sie selbst Entscheidungen treffen und nach ihren eigenen Methoden arbeiten. Ihr müsst nur die Zielstellung vorgeben. Belohnt es, wenn eure Leute Mitdenken anstatt sie dafür zu maßregeln. Eigene Erfolge und Anerkennung führen nämlich automatisch zu mehr Motivation. Schließlich sind die Zeiten nicht immer rosig. Da ist es gut zu wissen, wenn man zufriedene und treue Angestellte hat, die hinter dem Unternehmen stehen und nicht bei jedem stärkeren Wellengang wie Ratten das sinkende Schiff verlassen.

Ernten was man sät


Wenn der Chef von seinem hohen Ross gestiegen ist und die Mitarbeiter frei und selbstbestimmt arbeiten, ist es Zeit für das Feintuning. Als Führungskraft hat man eine regulierende Funktion. Wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht, kann man oftmals noch viel mehr aus seinen Leuten herausholen. Über Arbeitsmoral, Effizienz und Stimmung im Team entscheidet oft schon die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen.

Die Mitarbeiter müssen zu einander passen. Kompetenzen sollten sich bestenfalls ergänzen. Aber Vorsicht: Zu viel Kuschelkurs lässt uns träge und eingefahren werden. Setzt statt Kuschelkurs also eher auf ein gewisses Maß an Reibung. Querdenker sorgen für frischen Wind, andere Sichtweisen führen zu neuen Ideen.



Anziehungskraft und Bindung


Das höchste Gut eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter. Deshalb solltet ihr sie hegen und pflegen, ihnen zuhören, auf sie eingehen und dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. Hier spielt das Thema Freiheit wieder eine entscheidende Rolle. Wenn ihr euren Mitarbeitern mehr Verantwortung übertragt, übertragt ihr ihnen auch Entscheidungsgewalt. Baut überflüssige Strukturen ab. Flache Hierarchien sorgen für kurze Arbeitswege und somit ein agileres Handeln.

Lasst eure Mitarbeiter nach Möglichkeit selbst über die Einteilung ihrer Arbeitszeit entscheiden. Die alte Stechuhr hat in so gut wie allen Branchen ausgedient und ist weit überholt. Statt eure Leute nach reiner Anwesenheit zu bewerten, solltet ihr sie an ihren Erfolgen messen. Wenn interessiert es schon, in welcher Zeit die Ergebnisse erarbeitet worden sind, solange sie bis zur vorgegebenen Deadline vorliegen? Eben.

Vergesst nicht, dass eure Angestellten Menschen sind. Mit eigenen Bedürfnissen, Problemen, Wünschen. Nehmt auf diese Dinge Rücksicht! Bei einer freien Arbeitszeit-Einteilung lassen sich Beruf und Familie zudem viel besser unter einen Hut bringen.

Ergebnis: Eure Attraktivität als Arbeitgeber steigt. Die Mitarbeiter-Zufriedenheit steigt. Die Produktivität euer Mitarbeiter steigt.

In einer Zeit von chronischem Fachkräftemangel werdet ihr so auch gute Leute halten können. Wer sich wohlfühlt, will den Job nicht wechseln. Ein guter Ruf als Arbeitgeber führt zudem zu mehr Bewerbungen.

Um jetzt noch mal auf den Anfang zurück zu kommen: Diese Art der Unternehmensführung hat einen nicht ganz unwichtige Nebeneffekt: Ihr führt ein stressfreieres und glücklicheres Leben. Also, liebe Chefs, was meint ihr dazu?


Wir freuen uns über einen Erfahrungsaustausch mit euch und über euer Feedback!

Eure Perlenmädchen