Donnerstag, 27. November 2014

Existenzgründung – Erfolg lässt sich planen

Bauchladen.

Viele Existenzgründer machen gleich zu Beginn einen entscheidenden Fehler: Sie wollen alles anbieten. Einen gaaanzen Bauchladen voller Angebote! Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, aber kein Mensch hat so viele Talente. Wer ohne klare Positionierung in die Selbstständigkeit startet wird sich von Anfang an verzetteln und auf der Stelle treten.
Ihr solltet euch vorab genau mit euren Stärken und Schwächen auseinander setzen. Was könnt ihr besonders gut? Was fällt euch schwer? Findet eure Kernkompetenz! Etwas, für das ihr eine Leidenschaft habt. Etwas, in dem ihr großartig seid! Am Ende dieses Prozesses solltet ihr jedem in 30 Sekunden eure Geschäftsidee vermitteln können. Und zwar überzeugend. Wenn ihr das könnt, seid ihr auf einem guten Weg.

Ballast abwerfen.

Ihr wisst jetzt also, was ihr am besten könnt. Großartig! Aber auf selbstständige Unternehmer kommen unzählige neuen Aufgaben zu. Steuern, Buchhaltung, Versicherungen, Marketing, Akquise und so weiter und so fort. Jetzt ist es wichtig, die Dinge zu definieren, die euch nicht liegen. Was saugt euch Kraft ab? Womit quält ihr euch mehr als alles andere? Diesen Ballast müsst ihr abwerfen. Und zwar von Anfang an. Denn diese abgesaugte Energie und Zeit könnt ihr nicht in eure Hauptaufgabe stecken. Im schlimmsten Fall lässt dann sogar die Qualität eurer Arbeit nach. Und das ist schlecht fürs Geschäft.
Ihr wisst jetzt was ihr loswerden müsst? Dann solltet ihr euch daran machen Lösungen zu finden. Diese Dinge müssen ja trotzdem bewältigt werden, um eine erfolgreiche Unternehmung zu führen. Sucht euch Partner, die eure Kompetenzen ergänzen. Die in ihrem Gebiet großartig sind. Wichtig ist, dass sie so ticken wie ihr. Dass ihr Werte und Qualitätsansprüche mit ihnen teilt. Sicherlich ist es ein Prozess, diese Menschen zu finden. Aber der Aufwand lohnt sich!
Mit so einem Netzwerk an zuverlässigen Partnern hinter euch, habt ihr die Energie, die Kunden und Aufträge zu akquirieren, die ihr haben wollt. Lukrative Aufträge, die euch und euer Unternehmen voranbringen. Von Ballast befreien heißt übrigens auch, sich von unbequemen Kunden zu befreien. Arbeitet mit den Menschen zusammen, mit denen ihr euch versteht, im Einklang seid. Wenn ihr ständig gegen Windmühlen kämpfen müsst, kommt ihr nicht weiter. Ohne Ballast könnt ihr abheben!

Planen ist nicht planen lassen.

Eine Unternehmensgründung sollte gut vorbereitet werden. Ihr kennt sicherlich das Zauberwort: Businessplan! Steckt viel Zeit in die Entwicklung eures Konzeptes. Ihr müsst wissen, was auf euch zukommt. Welche Steine euch in den Weg gelegt werden und wie ihr diese umgehen könnt. Ihr müsst eurem Unternehmen ein scharfes Profil verpassen, genau definieren wer ihr seid, welche Leistungen/Produkte ihr anbieten könnt und in welchen Bereichen ihr Partner brauchen werdet.
Ich weiß, dass es anstrengend ist. Und ich weiß, dass es nervt.
Aber dieser Prozess macht euch stark und klüger! Lasst euren Businessplan nicht von dubiosen Beratern schreiben, die sich dafür nur eure Fördermittel einkrallen. Was wissen die denn schon von euch und euren Vorstellungen?
Das neue Unternehmen ist euer Baby! Ihr wollt, dass es gesund ist, wächst und von allen Gefahren abgeschirmt wird. Natürlich macht es Sinn, sich von unterschiedlichen Experten Hilfe zu holen. Aber ihr solltet am Schreiben des Businessplans in hohem Umfang beteiligt sein. Er ist wichtig für euch! Und erst an zweiter Stelle für die Bank oder das Amt.

Wer fragt, bekommt Antworten.

Setzt euch im Businessplan mit dem Markt auseinander. Analysiert ihn. Besteht Nachfrage nach meinem Produkt/ meiner Leistung? Ist sie den Menschen bekannt oder müsst ihr erst aufklären? Schaut euch auch genau die Konkurrenzunternehmen an. Wie sind sie aufgestellt? Wie werben sie? Wie sprechen sie ihre Zielgruppe an? Daraus könnt ihr ableiten was ihr vielleicht anders oder besser machen wollt, wie ihr euch abheben könnt. Am Ende dieser ganzen Analysen sollte eure Positionierung stehen. Ziel ist es, euren Platz im Markt zu kennen.
Außerdem  solltet ihr eure potenziellen Kunden genau unter die Lupe nehmen. Für wen sind meine Leistungen/Produkte interessant? Wer sind diese Menschen? Wie ticken sie? Was unterscheidet sie? Was haben sie gemeinsam? Welche Argumente/Motivationen kann ich ihnen bieten? Je genauer das Bild von eurer Zielgruppe ist, desto so besser versteht ihr sie. Umso besser könnt ihr sie erreichen.

Wissen ist Macht.

Dieser Gründung-Prozess dauert seine Zeit. Wir haben uns zum Beispiel ein Jahr auf unsere Gründung vorbereitet. Haben Weiterbildungen besucht, mit Rechtsanwälten, Steuerberatern und anderen Experten gesprochen.
Wenn ihr eure Gründung übers Knie brecht, macht ihr Fehler. Ihr werdet nicht alles bedenken. Ihr werdet es sehr viel schwerer haben. Wissen ist Macht. Sammelt also so viel davon wie möglich.
Noch ein Tipp: Seid einzigartig! Eure Leidenschaft zum Beruf, euer Anspruch an euch selbst, eure Werte, eure Ansichten, euer Charakter. Auf dieser Grundlage muss sich euer Unternehmen positionieren und auf dem Markt auftreten. Nur so könnt ihr euch von der Konkurrenz abheben. Mit Produkten und Dienstleistungen allein kann man als regionaler Unternehmer in der Regel keine Individualität erreichen. Wie mache ich mein Unternehmen also einzigartig?  - Wer das wissen möchte, liest unseren Blogartikel.


Donnerstag, 6. November 2014

Mut zur Lücke - Denken hilft erinnern

Das Phänomen.

Vor einiger Zeit habe ich von einer interessanten Studie aus den USA erfahren.
Eine Gruppe von Menschen wurde in einen Raum gesetzt, in dem sich ein Paar angeregt unterhielt. Eine zweite Gruppe saß in einem anderen Raum. Hier führte jemandem ein Telefonat. Die Menschen aus der zweiten Gruppe haben sich bei der späteren Befragung an weitaus mehr Gesprächsdetails erinnern können, als die Teilnehmer aus der ersten Gruppe. Warum ist das so?
Die Probanden aus der zweiten Gruppe mussten denken! Sie mussten einen Gesprächspartner ergänzen, überlegen was der andere wohl geantwortet oder wie er reagiert hat. Sie musste die Lücken in dem Gespräch mit ihren eigenen Überlegungen füllen.

Das gleiche Phänomen kennen wir alle aus der Schule. Zum Beispiel bei der Lösung einer mathematische Aufgabe. Eine präsentierte und heruntergebetete Lösung des Lehrers kann nicht so einfach abgespeichert werden. Das Denken funktioniert viel besser, wenn uns die Lösung vorenthalten wird und wir das Rätsel selbst knacken müssen. Erst das Erarbeiten eines eigenen Lösungsweges, sorgt dafür, dass wir uns dauerhaft erinnern. Eigene Erkenntnisse bleiben einfach besonders gut im Kopf.

Denken lassen.

Dieses Prinzip kann man sehr gut auf die Werbung anwenden. Schließlich wollen wir ja, dass unsere Botschaften, Produkte oder Markennamen im Kopf bleiben!
Die klassische Werbung funktioniert, wie der Lehrer im Matheunterricht. Sie gibt uns alles auf dem Silbertablett vor. Geht es um einen Friseur, so sehen wir haarige Anzeigen. Geht es um Sportbekleidung, so sehen wir Menschen, die Sport treiben. Und so weiter und so fort. Kein Mitdenken erforderlich.
Bei kreativer Werbung geht es oft darum, Dinge einfach wegzulassen. Und zwar genau die Dinge, die man eigentlich bewerben will. Beispiel gefällig?

Eine sehr gelungene Anzeigenreihe von McDonalds. Was fällt auf? Wir sehen keinen Burger. Nichts Essbares. Aber genau das ist es, was Mc Donalds verkaufen möchte. Was wir allerdings sehen ist eine Geste. Wir können uns denken was die junge Dame gerade im Kopf hat. Ein leckeres Frühstück bei Mc Donalds (sofern so etwas möglich ist ;).

Wir hatten vor einigen Jahren den Auftrag, eine Postkarte zur Vermarktung eines Wohngebiets zu entwickeln. Anstatt ein Foto der Anlage zu zeigen, haben wir auf eine Metapher zurückgegriffen. Der Vergleich des Wohngebiets mit einer Sahnetorte weckt bestimmte Erwartungen beim Betrachter. Außerdem steigert es die Neugier. Wie es dort wohl aussieht? Was macht dieses Wohngebiet denn so besonders? Die Wahrscheinlichkeit, dass der Betrachter seine Neugier befriedigen will und auf die Website klickt ist sehr hoch. Und die Website wurde geklickt. (An alle Interessenten: Leider nichts mehr zu holen.)



Zu guter Letzt noch eine clevere Aktion eines jüdischen Restaurants aus München. Das Lokal mit israelisch-arabischer Küche startete die "IS-freien Wochen" - und strich deshalb konsequent diese beiden Buchstaben aus allen Speisen und Getränken. Und das sowohl in den Speisekarten als auch in den Anzeigen und Plakaten dieser Aktion. Eine witzige Idee, die ein aktuelles politisches Thema aufgreift - die IS Terrormiliz. Der Betrachter muss zum einen eine Denkleistung beim „Entziffern“ der Motive vollbringen und wird dabei zum anderen permanent auf die politische Botschaft aufmerksam gemacht. Hier ist Mitdenken Pflicht! Eine brillante, simple und ausgesprochen aufmerksamkeitsstarke Kampagne, für die die Kreativen der Agentur XXXXX aus München verantwortlich sind. Chapeau!



(Mehr Infos und Bilder hier: http://goo.gl/RzQuKD)


Hürden bauen.

Wir haben gelernt: Werbung ist besonders effektiv, wenn Sie etwas verbirgt. Hürden enthält. Rätsel. Stolpersteine. Eine Botschaft sollte immer in eine kreative Idee verpackt werden. So muss der Empfänger eine Denkleistung vollbringen, um sie zu verstehen. 
Denken ist eine angeborene Fähigkeit des Menschen und darf diesen durchaus zugetraut werden – auch in der Werbung. Werbung muss also nicht langweilig und nervtötend sein, sondern kann Neugierde erzeugen, Interesse wecken und Witz enthalten! Die Menschen haben nämlich Spaß daran, Rätsel zu lösen, Pointen zu verstehen und Doppeldeutigkeit zu entziffern. Und ganz nebenbei speichern Sie diese Erkenntnisse im Gehirn ab. Erinnern sich an Botschaften, Marken und Namen. 

Dann wisst ihr jetzt alle was ihr zu tun habt! Viel Spaß beim Hürden aufstellen, Stolpersteine aufbauen, Fallen auslegen, Rätsel entwickeln…