Dienstag, 24. November 2015

Nicht abbiegen bitte!
Nein sagen auf der Straße zum Erfolg

Sackgasse

Vor einigen Monaten erhielten wir eine E-Mail mit der Bitte um Abgabe eines Angebots. Da mir die Informationen in der Mail aber nicht ausreichten, rief ich beim Kunden an und vereinbarte einen Termin zum Kennenlernen. Ein paar Tage später saß ich im Büro des Kunden. Um es kurz zu machen - Es lief nicht gut. Das Erstgespräch wurde schnell zu einem Streitgespräch, bei der jeder die nächste Argumentation gewinnen wollte.

Eins war klar: Ich und der Kunde passen nicht zusammen. Wir denken komplett anders, haben andere Vorstellungen von Unternehmensführung und Marketing und arbeiten nach anderen Grundsätzen.

Eine Zusammenarbeit kam verständlicher Weise nicht zustande. Der Kunde meldete sich nicht wieder bei uns und wir uns nicht bei ihm.
Vor ein paar Tagen erreichte uns eine Mail mit dem Betreff „Neuer Versuch?“. Der Unternehmer erklärt darin, warum für ihn eine Zusammenarbeit zur damaligen Zeit nicht in Frage gekommen ist. Und zwar sehr direkt und offen. Dass er Klartext spricht, rechne ich ihm hoch an. Nichts macht einen Arbeitsprozess ineffektiver als unehrliche Kommunikation.

Er führte weiter aus, dass er bei der Recherche nach Ideen immer wieder über unsere Agentur stolpert. Das Gefühl, das er beim Lesen unserer Website hat, sagt ja. Die bisher persönlich gemachten Erfahrungen nein. Aber nachdem jetzt ja bereits wieder einige Zeit vergangen ist, könnte man gegebenenfalls mal einen zweiten Versuch wagen.

Wenden verboten

Die Mail hat mich sehr überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mit der Antwort ließ ich mir ein paar Tage Zeit. Nach reichlicher Überlegung bedankte ich mich für sein Schreiben und erläuterte, warum ich mich gegen eine erneute Zusammenarbeit entschieden habe.
Es hatte sich schließlich nichts an der Grundsituation geändert. Unsere Denkweisen passen immer noch nicht zusammen. Ich habe also nein gesagt. Zu einem Kunden! Ich hoffe, an dieser Stelle seid ihr ausreichend empört.

So etwas tut man schließlich nicht! Der Kunde ist doch König! Na euch muss es gut gehen, wenn ihr Kunden abweisen könnt!

Ungefähr so hört sich die übliche Reaktion von anderen Unternehmern an.
Ein befreundeter Grafikdesigner, der in einer Werbeagentur angestellt ist, machte große Augen. Er war ganz neidisch, dass wir diese Entscheidung treffen können. Als Angestellter muss er sich schließlich fügen. Natürlich hat man als Arbeitnehmer nicht die Freiheiten eines selbstständigen Unternehmers.

Dennoch sehe ich das Wort „nein“ nicht als Luxusantwort an. Nein ist ein sehr wichtiges Wort für Menschen, die ein langfristig erfolgreiches Unternehmen aufbauen und führen wollen.
Wir arbeiten schon von Beginn an nach dem Grundsatz, dass es für beide Parteien passen muss. Das heißt, nicht nur der Kunde entscheidet sich für unsere Agentur, sondern wir entscheiden uns auch für den Kunden.

Wir sind genau deshalb in der Lage so gute Arbeit zu erbringen, weil unsere Kunden uns und unserer Kompetenz vertrauen. Wichtigste Grundlage für Vertrauen sind ein gegenseitiges Grundverständnis und eine gleiche Wellenlänge. Wenn ich jedes Mal lange Diskussionen führen muss und gegen Wände renne, raubt mir das nur sehr viel Kraft. Zu wirklich guten und kreativen Ergebnissen kann so eine Zusammenarbeit nicht führen.

Die Route wird berechnet..

Als Unternehmer sollte man ein Ziel haben. Etwas, worauf man hinarbeitet. Auf dem Weg zu diesem Ziel werdet ihr immer wieder an Kreuzungen vorbeikommen. Bevor ihr irgendwo abbiegt, müsst ihr euch fragen, was ihr eigentlich wollt. Wo will ich mit meinem Unternehmen hin? Was will ich noch erreichen? Gerade Unternehmen, die bereits seit vielen Jahren auf dem Markt sind, vergessen oft, sich diese Fragen zu stellen. Wer immer nur mit gesenktem Kopf vor sich hinarbeitet, verliert irgendwann die Orientierung. Wer keinen Kompass hat, wird immer nur im Kreis laufen.
Um einen Schritt nach vorn zu gehen, ist es manchmal notwendig, Angebote auszuschlagen. Aufträge abzulehnen. Sich von Kunden zu trennen.

Und was ist, wenn ich gar nicht weiß wo ich hin will? Wie finde ich denn mein Ziel?

Macht euch klar, wo die Stärken und Schwächen eures Unternehmens liegen. Und seid ehrlich dabei. Es macht niemals Sinn sich selbst zu belügen. Wo liegen eure Kompetenzen? An welcher Arbeit habt ihr Spaß? In welchem Bereich seid ihr in der Lage, großartig zu sein? Baut auf diesen Überlegungen eure Positionierung auf. Konzentriert euch auf eure Qualitäten und lehnt Aufträge ab, die nicht zu eurem Unternehmen passen. Ihr wollt eure Kunden glücklich machen. Also konzentriert euch auf die Dinge, die ihr könnt.

Feintuning

Spannungen, Antipathie und Diskussionen kosten Kraft. Ablehnung, ständige Kritik an der Arbeit und fehlende Anerkennung der Leistung ziehen einen runter. Befreit euch von diesen Lasten.
Das gilt für Kunden und Geschäftspartner genauso wie für die Kollegen innerhalb des Unternehmens. Auch im Team muss die Wellenlänge stimmen. Ein positives Betriebsklima ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Unternehmens.

Arbeitet also mit Menschen zusammen, die eure Arbeit schätzen und dankbar sind für eure Hilfe. Umgebt euch mit Personen, mit denen ihr gemeinsam vorwärts geht und die das gleiche Ziel verfolgen wie ihr.
Sagt auch nein zu Arbeiten, die euch schwer fallen oder nicht liegen. Delegiert diese Aufgaben innerhalb eures Teams oder gliedert sie an Externe aus. Befreit euch von dem Ballast, der euch bremst.

Ein positives Arbeitsumfeld macht einen stärker, besser und leistungsfähiger. Steckt eure volle Kraft und Leidenschaft in eure Kernkompetenz. Macht die Arbeit, in der ihr großartig seid! Nur so könnt ihr richtig durchstarten.

Neuwagen

Ja ja.. Nein sagen. Das sagt sich immer so leicht. Als Existenzgründer kann man sich so einen Luxus nicht leisten. Da muss man schließlich alles annehmen, was einem so zwischen die Finger kommt.
Neiiiiiin! Bloß nicht! Ihr wollt schließlich schnell auf die Füße kommen und Erfolg haben. Wenn ihr euch mit Aufträgen belastet, die euch nicht liegen und an denen ihr keinen Spaß habt, werdet ihr auch keine gute Arbeit leisten. Der Kunden wird dann zurecht unzufrieden sein. Was euch unzufrieden macht.
Wenn ihr euch mit Kunden belastet, die eure Leistung nicht wertschätzen, nur an euch rumnörgeln und permanent eure Preise drücken wollen, werdet ihr genauso wenig glücklich. Diese Menschen saugen euch aus. Nehmen euch Kraft, Mut und Motivation.

Und was passiert, wenn ihr an Aufträgen arbeitet, die eurer Kompetenz entsprechen? Bei denen ihr über euch hinauswachsen könnt? Die euch Spaß machen und herausfordern? Und was glaubt ihr passiert, wenn ihr mit Menschen zusammenarbeitet, die euch wertschätzen und anspornen? Die begeistert von eurer Arbeit sind?

Ihr versteht was ich meine. Weicht nicht von eurem Weg ab, um im Sumpf stecken zu bleiben. Es ist kein Luxus nein zu sagen. Nein sagen zeugt von Stärke und Weitsichtigkeit. Haltet an euren Prinzipien fest. Lasst euch nicht verbiegen und hört auf euren Bauch. Der hat nämlich immer Recht.

Zielgerade

Auf dem Weg zum Erfolg werdet ihr an einige Abzweigungen vorbeikommen. Es liegt an euch, ob ihr abbiegt oder nicht. Ziele können sich verändern. Positionierungen können sich verschieben. Das sollten sie sogar! Die Welt verändert sich und ihr müsst euch mit ihr verändern. 
Dennoch sollte man einen Kompass haben, der einem die Richtung weist. Geht mit erhobenem Kopf durch die Welt und behaltet den Horizont im Auge. Räumt die Stolpersteine einen nach dem anderen aus dem Weg und lasst euch nicht davon abhalten, euer Ziel zu erreichen.

Was für euch und eurer Unternehmen am besten ist, kann euch niemand sagen. Die persönliche Straße zum Erfolg ist in keiner Karte verzeichnet. Die müsst ihr euch schon selber bauen.